Einschätzung zu „Männlichkeitsforschung“ von Sylka Scholz
„Das UTB von Sylka Scholz zur ‚Männlichkeitsforschung‘ ist für dieses Thema absolut grundlegend. Solche fundierte, kenntnisreiche, gut lesbare und dennoch Komplexität nicht unangemessen reduzierende Überblicksdarstellungen gibt es selten. Ich würde sogar sagen, dass es sich um eine vorbildliche Einführung in ein Thema handelt, das nicht nur ausgesprochen wichtig ist, sondern noch wichtiger werden wird.
Der Aufbau ist so, wie man ihn sich nur wünschen kann: Zunächst wird in zentrale Theorien und Modelle eingeführt, um das Thema zu fundieren. Dann werden wichtige ‚Felder der sozialen Konstruktion von Männlichkeiten‘ in den Blick genommen. Das letzte Unterkapitel beschäftigt sich mit dem vielleicht brisantesten Thema, mit rechtspopulistischen Vorstellungen von Männlichkeit. Es handelt sich um eine grundlegende soziologische Arbeit, die aber in allen anderen Disziplinen, die sich mit Männlichkeitskonstruktionen beschäftigen oder beschäftigen sollten (es handelt sich um ein interdisziplinäres Thema), wahrgenommen werden und als Einführung und auch als Grundlage für weitere Forschungen in diesen Disziplinen Verwendung finden sollte, weil sie die bisherige Forschung einerseits so breit ausleuchtet und andererseits so kundig zusammenfasst und zusammenführend weiterentwickelt.“
S. Neuhaus
Worum geht es im Buch „Männlichkeitsforschung“ von Sylka Scholz?
Wie lässt sich Männlichkeit theoretisieren und empirisch erforschen? Sylka Scholz stellt zentrale Konzepte der Männlichkeitsforschung vor und widmet sich hegemonialer Männlichkeit, dem männlichen Habitus und der männlichen Sozialisation. Darüber hinaus gibt sie einen Überblick über die wichtigsten Bereiche der Konstruktion von Männlichkeiten: Erwerbsarbeit, Partnerschaft und Vaterschaft, Flucht und Migration sowie Politik und Rechtspopulismus. Methodische Tipps für eigene Forschungsarbeiten runden den Band ab.
Für wen ist das Buch interessant?
Die lebendige und anschauliche Einführung richtet sich nicht nur an Studierende der Gender Studies, sondern diskutiert auch auf breiterer sozial- und geisteswissenschaftlicher Basis den Weg hin zu einer geschlechtergerechten und sorgenden Gesellschaft.
Was zeichnet das Buch besonders aus?
Das Buch „Männlichkeitsforschung“ von Sylka Scholz wurde mit dem René-König-Lehrbuchpreis 2026 ausgezeichnet. Der Preis wurde auf dem 43. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS), der vom 28. September bis 2. Oktober 2026 an der Universität Mainz stattfand, verliehen.
Inhaltsverzeichnis
I. Theoretische Konzepte und Forschungsmethoden
1. Hegemoniale Männlichkeit und männliche Herrschaft – Einführung in zentrale Männlichkeitstheorien
1.1 Hegemoniale Männlichkeit (Connell)
1.2 Männliche Herrschaft (Bourdieu)
1.3 Männlicher Habitus (Meuser)
1.4 Lernfragen und vertiefende Literatur
2. Über hegemoniale Männlichkeit hinaus – alternative männlichkeitstheoretische Ansätze
2.1 Alternative Männlichkeitstheorien: Inclusive, Hybrid
2.2 Queer und Trans* Theorien: Female Masculinities und Trans* Masculinities
2.3 Weiblichkeitstheorien: Hegemoniale Weiblichkeit
2.4 Lernfragen und vertiefende Literatur
3. Männlichkeit und Geschlechtersozialisation
3.1 Sozialisationsforschung in der Frauen- und Geschlechterforschung
3.2 Sozialisation als Lebensbewältigung (Böhnisch/Winter)
3.3 Habitus: Risikohandeln als Strukturübung von Männlichkeit (Meuser)
3.4 Habitus und Performativität: Einüben von Männlichkeit
3.5 Subjektivität: Männlichkeit als psychodynamische Konfliktkategorie
3.6 Plädoyer für die Offenheit und Vielfalt in der theoretischen und empirischen Forschung
3.7 Lernfragen und vertiefende Literatur
4. Männlichkeiten empirisch erforschen – Methodologien und Methoden
4.1 Das Entschlüsselungs- und das Differenzierungsproblem
4.2 Die Präferenz der Geschlechterforschung für qualitative Forschungsmethoden
4.3 Ausgewählte empirische Zugänge zur Erforschung von Männlichkeiten
4.4 Anregungen zum eigenständigen qualitativen Forschen
4.5 Lernfragen und vertiefende Literatur
II. Ausgewählte Felder der sozialen Konstruktion von Männlichkeiten – Forschungseinblicke
5. Erwerbsarbeit und Beruf
5.1 Die Herausbildung einer modernen, berufszentrierten Männlichkeitskonstruktion
5.2 Erwerbsarbeit in nachindustriellen/postfordistischen wissensbasierten Dienstleistungsgesellschaften
5.3 Auswirkungen des Wandels von Erwerbsarbeit erforschen – Analysedimensionen
5.4 Ausgewählte Berufsfelder im Fokus
5.5 Lernfragen und vertiefende Literatur
6. Vaterschaft, Paarbeziehung und Familie
6.1 Der Wandel familialer Lebensformen und die Pluralisierung
6.2 Das Leitbild der aktiven/involvierten Vaterschaft und seine praktische Realisierung
6.3 Wenn der Mann kein Familienernährer mehr ist – Neuverhandlungen innerpartnerschaftlicher Arbeitsteilung aus Perspektive der Paarforschung
6.4 Kinderlosigkeit und männliche Generativität
6.5 Partnerschaftliche und innerfamiliale Gewalt
6.6 Lernfragen und vertiefende Literatur
7. Migration und Flucht
7.1 Deutschland als Einwanderungsland – Migrations- und Asylpolitiken
7.2 Der fremd-gemachte Mann – Diskurse um bedrohliche (islamistische) Männer
7.3 Differenzierte Lebenssituationen geflüchteter Jugendlicher und ihre pluralen Männlichkeitsentwürfe
7.4 Arbeitsmarktintegration: das Beispiel der Pflege
7.5 Lernfragen und vertiefende Literatur
8. Politik, Rechtspopulismus und Rechtextremismus
8.1 Männliche Dominanz im politischen Feld
8.2 Rechtspopulismus und Rechtsextremismus erklären und messen
8.3 Rechte Männlichkeiten – Ergebnisse der geschlechtersensiblen Rechtsextremismusforschung
8.4 Die diskursive Konstruktion einer ›Krise der Männlichkeit‹ und ihre rechtspopulistische Lösung
8.5 Die diskursive Konstruktion des ›braunen Ostens‹ und des ›braunen Ostmannes‹
8.6 Lernfragen und vertiefende Literatur
Ausblick: Männlichkeitsforschung im Dialog mit Jungen- und Männlichkeitspolitiken
Servicepool, um Männlichkeit tiefer zu erforschen
Von wem wurde das Buch „Männlichkeitsforschung“ verfasst?
Sylka Scholz
Sylka Scholz ist Professorin für Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Geschlechtersoziologie mit einem Schwerpunkt auf Männlichkeitstheorien und dem Wandel von Geschlechterverhältnissen in Ost- und Westdeutschland. Sie publiziert in den Feldern Familienforschung, biografische Forschung sowie Diskurs- und Bildanalysen.
Bibliographische Angaben
ISBN: 9783825264284
eISBN: 9783838564289
1. Aufl. 2025
