Was macht einen guten Chef aus? Wie wird man vom Studenten zur Führungskraft? Die utb-Autoren Thomas Breyer-Mayländer und Christof Seeger beantworten uns diese Frage im utb-Autoreninterview.

1. Was kann ich als Studierender tun, um mich bereits während meines Studiums auf eine Führungsposition vorzubereiten? 

Thomas Breyer‐Mayländer: Zunächst lohnt es sich, möglichst viele Situationen zu suchen, in denen man entweder selbst
Führungserfahrung sammeln kann, beispielsweise durch Verantwortung in der studentischen Selbstverwaltung (AStA etc.),
oder Führung erleben kann, beispielsweise durch studienbegleitende Jobs, Praktika und Ferientätigkeiten, die
möglichst in der Branche oder dem Bereich stattfinden sollten, in dem man später auch den Berufseinstieg plant. Das gilt auch für Führungssituationen im
privaten Umfeld, wie beispielsweise eine Gruppenleitungsfunktion, bspw. bei Jugendfreizeiten oder als Übungsleiter/in in einem Sportverein. Das Erleben
von Führung und die Reflektion des Erlebten sind eine gute Schulung.

C. Seeger, privat

C. Seeger, privat

CS: Darüber hinaus ist natürlich eine fachliche Vorbereitung sinnvoll, indem man sich über Seminare und Bücher mit Führungsstilen und
Managementkonzepten befasst und somit eine fundierte Grundlage für die eigene Führungsarbeit legt und gleichzeitig auch einen Maßstab hat, die
Erlebnisse und Erfahrungen im Führungsbereich entsprechend einzuschätzen.

2. Was macht einen guten Chef aus?

Christof Seeger: Eine wichtige Voraussetzung ist das Interesse an der Arbeit mit Menschen. Bei allen fachlichen und oft schwierigen
Situationen, die es als Chef zu meistern gibt, müssen die Mitarbeiter immer das Gefühl haben, dass der Chef ehrlich mit den
Mitarbeitern umgeht. Dazu gehört auch, dass die Entscheidungen nachvollziehbar und verlässlich sind, oder zumindest überhaupt
Entscheidungen getroffen werden. Es gibt nichts Schlimmeres, als Vorgesetzte, die in bestimmten Fragen nie zu einem Abschluss kommen und die Mitarbeiter
über lange Zeiträume in einem Schwebezustand gehalten werden.

 

3. Wie sollte ich als Führungskraft mit meinen Schwächen umgehen?

tbm: Grundsätzlich empfehle ich eine wohldosierte Form der Offenheit. Dabei kommt es natürlich auf die Schwäche an. Wer ungern bestimmte
Randaufgaben der Führung wahrnimmt, kann diese in vielen Fällen an Stellvertreter/innen oder Mitarbeiter/innen delegieren. Dabei darf man ruhig
zeigen, dass das auch nicht zu den eigenen Stärken gehört. Wer jedoch bei einem Kernthema der Führung Schwächen hat, kann sich nicht nur darauf
zurückziehen, hier nicht absolut top zu sein, sondern hier muss zunächst sichergestellt werden, wie man als Führungskraft diesen Anforderungen künftig
entsprechen kann und welche Schritte für eine Verbesserung der Führungskompetenz notwendig sind. Erst dann stellt sich die Frage, wie man
das Thema, bzw. die Aufgaben bis dahin lösen kann.

 

4. Können Sie uns Ihre Top 5 Tipps hinsichtlich Mitarbeiterführung für
frischgebackene Führungskräfte nennen?

CS: Die Top 2 sind sicherlich ….
1. Kommunikationsfähigkeit (Letztlich das wichtigste Werkzeug jeder Führungskraft. Die Fähigkeit also Ideen, Notwendigkeiten, Informationen
so zu formulieren, dass sie von den Mitarbeitern verstanden und akzeptiert werden)
2. glaubwürdiges Verhalten (Sagen und Tun müssen identisch sein: Ich tue, was ich sage und sage, was ich tue.)

tbm: Auf den Plätzen drei bis fünf sehe ich:
3. authentisches Verhalten (vom passenden, aber authentischen Kleidungsstil bis zur inhaltlichen Überzeugung bei bestimmten Fachthemen)
4. Bemühung um Vertrauen (durch die wohldosierte Preisgabe eines Teils der eigenen Persönlichkeit und die Erfüllung der Anforderungen an authentisches und glaubwürdiges
Verhalten kann ich mich als Führungskraft um Vertrauen bemühen)
5. flexibles Verhalten (Dinge und Situationen ändern sich. Darauf muss sich eine Führungskraft einstellen können, um den Gesamtüberblick nicht zu verlieren).

5. Warum gibt es in Deutschland Ihrer Meinung nach deutlich weniger Frauen in Führungspositionen?

tbm: Dies hat zum einen mit der Rollentradition zu tun, die sich wie alle Traditionen erst über eine gewisse Zeit hinweg ändert. Oftmals bin ich in
Sachen Gendergerechtigkeit frustriert und habe den Eindruck, dass sich fast nichts bewegt. Da hilft mir dann mitunter ein Blick über die Jahrzehnte hinweg.
In der Nachkriegszeit brauchte eine verheiratete Frau noch die Einverständniserklärung ihres Ehemannes, wenn sie berufstätig werden wollte.
Ein Umstand, der uns heute zum Glück reichlich absurd vorkommt. Ein weiterer Faktor als Folge der Tradition sind Spielregeln und Kommunikationsmuster, die
in den meisten Arbeitsumgebungen stark männlich dominiert sind. Hier ist es für Frauen mitunter gar nicht so einfach, die richtigen Rezepte zu finden, um
sich positiv zu positionieren.
CS: Diese Diskussion darf aber nicht nur aus quantitativer Sicht geführt werden. Letztlich sollte die Befähigung einer Persönlichkeit zur Übernahme von
Führungsaufgaben im Fokus stehen. Ich sehe hier aber für die jungen Führungskräfte von morgen eine große Chance. Gerade für die Generation Y
sehe ich viele anstehende Herausforderungen aus Sicht der Unternehmen: Fachkräftemangel, Vereinbarkeit von familiären Verpflichtungen und Beruf,
Halbwertszeit von Wissen, Vernetzung, … Dabei werden die jungen Frauen von heute in der Berufswelt von morgen sicherlich eine gewichtige Rolle spielen.

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