Zum Reformationsjubliäum ist Luther in aller Munde. Unsere Leser haben Fragen zum Thema „Luther heute“ formuliert.

Wie war er, dieser historische Luther? Wie hat er gelebt, wie ist er aufgewachsen? In einer losen Reihe beantwortet Experte Prof. Ulrich Heckel Fragen der utb-Leser…

In welchem Zusammenhang steht der soziale Aufstieg Luthers mit seiner Kindheit bzw. seinem Elternhaus und der Erziehung, die er erfuhr?

Das Elternhaus war geprägt von der Arbeit des Vaters im Bergbau und einer konventionellen kirchlichen Frömmigkeit. Nach dem Besuch der städtischen Lateinschule in Mansfeld und der Magdeburger Domschule absolvierte er in Erfurt das philosophische Grundstudium in den „freien Künsten“ (artes liberales) und begann dann – dem Wunsch des Vaters folgend – mit dem Studium der Rechtswissenschaft. Doch als er am 2. Juli 1505 bei Stotternheim von einem schweren Gewitter überrascht wurde, legte er ein Gelübde ab und trat in den Erfurter Konvent des Augustiner­ere­mi­ten­ordens ein. Damit haben die Eltern Luther den gesellschaftlichen Aufstieg ermöglicht, aber mit dem Eintritt in das Kloster ging er eigene Wege.

 

Was dachte Luther über seine Feinde/Kritiker?

Mit seinen Reformvorschlägen fand Luther viel Zustimmung, löste aber auch heftige Kritik aus. Mit den großen Schriften des Jahres 1520 „An den christlichen Adel“, „Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche“ und „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ entwickelt er sein Reformprogramm in der direkten theologischen Auseinandersetzung mit dem Papsttum und der mittelalterlichen Frömmigkeitspraxis.

Doch dann kämpft er immer wieder an anderen Fronten:

In den Wittenberger Unruhen 1521/22 legt Luther vor allem Wert auf den Glauben und die Liebe, weshalb er bei den liturgischen Reformen an Karlstadt und seinen Freunden ein übereiltes Vorgehen, neuen Zwang und ungeistliche Gesetzlichkeit kritisiert.

Im Bauernkrieg 1524/25 hat Luther den Fürsten und Herren in einer schonungslosen Bußpredigt ihre Unterdrückung und Ausbeutung der Bauern vorgehalten. Für die Anliegen der Bauern hat Luther zunächst durchaus Sympathie gezeigt, aber er macht ihnen zum Vorwurf, dass sie Gesetz und Evangelium vertauschen, weltliche Rechtsangelegenheiten als geistliches Anliegen verfolgen und gegen bestehendes Recht eigenmächtig zur Selbsthilfe greifen. Im Bauernkrieg versuchte Luther die öffentliche Verantwortung des geistlichen Amtes mit großem Engagement wahrzunehmen, doch aus den damaligen Kommunikationsverhältnissen entstand das Problem, dass seine Bauernschriften zu falscher Zeit in falscher Lage die Falschen trafen und damit teilweise verheerende Wirkungen auslösten.

Mit den Täufern verbindet Luther die Hochschätzung des Glaubens, doch macht er ihnen zum Vorwurf, dass sie sich eigenmächtig über Gottes Gebot im Taufbefehl (Mt 28,16-20) und die Verheißung der Seligkeit (Mk 16,16) hinwegsetzen, Wort und Wasser trennen, den äußeren Vollzug und das innere, geistliche Geschehen auseinanderreißen, den Glauben als menschliche Entscheidung zu einem Werk des Menschen machen und die Kindertaufe ablehnen: „Mein Glaube macht nicht die Taufe, sondern empfängt die Taufe.“

Irritierend und erschütternd wirken heute Luthers Äußerungen über die Juden. In seiner frühen Schrift „Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei“ (1523) fordert er noch religiöse Toleranz und will sie für das Evangelium von Jesus Christus gewinnen. Doch als diese Hoffnung enttäuscht wurde, schlägt der Ton in hasserfüllte Tiraden um mit der Aufforderung zur Entrechtung der Juden, Zerstörung der Synagogen, Zwangsarbeit und Ausweisung. Durch diese Forderungen vermengt er staatliche Maßnahmen und religiöse Fragen, was er sonst seinen Gegnern vorgeworfen hat, und begibt sich in Widersprüche zu den Grundsätzen seiner eigenen Zwei-Reiche-Lehre. Von diesen Äußerungen können wir uns heute nur distanzieren.

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