Nach dem Suizid einer Berliner Grundschülerin im Januar, der bundesweit für Betroffenheit sorgte,  ist das Thema Mobbing an Schulen wieder in aller Munde. Vor allem der Anti-Mobbing-Aktivist Carsten Stahl provoziert mit verschiedenen Aktionen, so hat er auch diesen Fall öffentlich gemacht und versucht mit Petitionen und einer Demo, diese Aufmerksamkeit weiter zu erhalten. Doch was nützt dieser Trubel und was hilft wirklich, um Mobbing einzudämmen?

Antworten liefert ubt-Autorin und Psychologin Mechthild Schäfer, die seit Jahren an der Ludwig-Maximilians-Universität München zum Thema Mobbing forscht. Es gehe um Macht, so Schäfer. Die Täter streben danach, andere in Gruppen zu dominieren. Deshalb müsse man diese ebenfalls mit in die Arbeit einbeziehen und konfrontieren. Dafür müsse in der Schule ein geschützter und angstfreier Raum geschaffen werden, so Erziehungswissenschaftler Wilfried Schubarth von der Universität Potsdam. Und auch Eltern können helfen, indem sie Lehrer oder auch die Schulleitung einschalten, die ein besseres soziales Miteinander in der Klasse leisten können. Eltern sollten sich aber davor hüten, selbst zu viel zu handeln: Die Aufmerksamkeit müsse eingedämmt und die Gruppe der Einschreitenden aktiviert werden, so Ludwig Bilz, Professor für Pädagogische Psychologie und Mobbingforscher an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg.

Erschreckend sei, wie wenig die Lehrer laut einer Studie von Bilz vom Mobbing mitbekommen: Sie bemerkten, obwohl sie laut Schülerangaben anwesend waren, jeden dritten Mobbingfall gar nicht und auch bei einem Drittel der Fälle, die sie mitbekamen, schauten sie nur tatenlos zu oder beachteten ihn gar nicht. Deshalb müsse man aktiv mit den Lehrern zusammenarbeiten und konkrete Regeln und Grenzen definieren, so utb-Autorin Schäfer.

Konkret in der Praxis müsse man das Mitgefühl aller Beteiligten anregen, sagt Sozialarbeiter Jürgen Schmitt, der freiberuflich Trainings und Fortbildungen in Konfliktmanagement anbietet. In der ganzen Klasse spricht er in einem wochenlangen Prozess über demokratische Werte und Normen und darüber, dass jeder Mensch ein Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit hat. Am Ende lässt Schmitt die Beschuldigten oft in einem Tatausgleich, wie einem Entschuldigungsbrief, Verletzungen wiedergutmachen und den Klassenzusammenhalt stärken. Dafür bräuchten Lehrkräfte in der Regel Hilfe von außerhalb.

Quelle: www.spiegel.de, Laura Backes, Heike Klovert und Swantje Unterberg

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