Der Verleger Prof. Dr. Wulf D. von Lucius wird heute 80 Jahre alt. Gemeinsam mit dem Verleger Roland Ulmer entwickelte er 1970 das Modell der UTB-Vertriebskooperation. Neben seiner Verlegertätigkeit war er u.a. Vorsitzender des Aufsichtsrats des Carl Hanser Verlages und ist Mitglied des Verwaltungsrats der Deutschen Nationalbibliothek, sowie Ehrenmitglied des Börsenvereins und Vorsitzender der Wüstenrot-Stiftung. Anlässlich seines Geburtstags veröffentlichen wir eine Interview, welches wir im Jahr 2014 mit ihm geführt haben.

 

1. Sie sind seit vielen Jahren in der Verlagsbranche tätig und haben scheinbar den Spaß an dieser Tätigkeit nie verloren. Gibt es besonders spannende oder interessante Momente und Situationen, die verdeutlichen können, was Sie an dieser Branche so fasziniert?

Oft wird – sehr zu recht, wie ich meine, – gesagt: Das Büchermachen ist ein Menschengeschäft. Dass es dabei ganz überwiegend erfreulich zugeht, liegt daran, dass (fast) alle Beteiligten, die Kollegen, die Mitarbeiter und die Autoren kluge und kultivierte Menschen sind. In solch einem Umfeld hält man es auch weit über die übliche Altersgrenze hinaus aus!

2. Die Erstausgabe Ihres Lehrbuchs „Verlagswirtschaft“ erschien 2005. Welche Veränderungen waren für die Verlagsbranche in den seither vergangenen 9 Jahren besonders prägnant und einschneidend?

Natürlich die Entwicklung der digitalen Aktivitäten. Bei der Erstauflage war vieles noch unklar, heute ist es Alltagspraxis. Deshalb habe ich mir für die 3. Auflage auch zwei Kollegen gesucht, die aus ihrer Praxis heraus das große Kapitel „Digitale Produkte“ übernommen haben.

3. Welche Themen und Lehrinhalte haben diese beiden Autoren bearbeitet und neu gefasst?

Huck und Ulmer haben das Kapitel ganz neu konzipiert – von den medientheoretischen Grundlagen bis zu den Konsequenzen im Verlag – also nicht nur produktgebunden, sondern prozessorientiert dargestellt.

4. Wie hat sich die Arbeit im Verlag durch die Digitalisierung in den letzten Jahren verändert? Welche Verlagsbereiche sind von diesen Veränderungen am stärksten betroffen?

Zum einen hat sich die Produktionsweise, der sog. Workflow, völlig verändert. Das hat erhebliche Kostenvorteile gebracht. Das zweite sind die digitalen Produkte: Die wissenschaftlichen Verlage haben früh begonnen, und im Bereich der Zeitschriften ist die Umstellung weitestgehend Alltag geworden. Durch die vielfältigen mobilen Endgeräte hat aber die Belletristik mittlerweile auch große Schritte getan.

5. Sie sind jetzt seit über 40 Jahren in der Verlagsbranche tätig. Wie sieht Ihre Vision der Verlagswelt 2025 aus?

Die große Wandlung ist schon geschehen. Offen bleiben für mich zwei Fragen: wie hoch wird die Quote der Digitalerlöse sein und wie viele kleinere Verlage werden in den nächsten 10 Jahren aufgeben müssen, weil sie die weiter wachsenden Anforderungen im Digitalbereich nicht erfüllen können. Was hoffentlich unverändert bleibt, ist die Freude am Büchermachen.

6. Warum lohnt es sich auch in Zeiten von E-Readern und allgegenwärtigem Internetzugang ein gedrucktes-Buch zu kaufen und zu lesen?

Ich bin von einer lang andauernden Hybridwelt überzeugt: wer was in welcher Situation lieber digital oder in gedruckter Form nutzt, wird sehr unterschiedlich sein. Funktionell sind beide Formen des Buchs in unterschiedlichen Nutzersituationen sinnvoll — ästhetisch und emotional gebe ich persönlich (zumal als Büchersammler) der Papierform den Vorzug.

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Dozentenbewertung
Bewertung: ✰✰✰✰✰
Kundenmeinung von A. Moutchnik am 01.09.2014
Ein Standardwerk ist durch die (notwendige) Neubearbeitung und Erweiterung noch besser geworden. Gehört zur Pflichtlektüre im Fach Medienwirtschaft.

 

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