Völlig ungebunden und frei forschen, ohne sich dabei zwischen Lehre und Verwaltungsarbeiten aufzureiben: Das ermöglicht eine neu aufgesetzte Auszeichnung der Gips-Schüle-Stiftung. 150.000 Euro vergibt dafür die Stiftung mit ihrem Programm „Freiräume für die Forschung“ im Dezember 2016. In den kommenden sechs Jahren plant die Stiftung, die Auszeichnung jährlich erneut zu vergeben. Das Besondere: Die Auszeichnung ist nicht zweckgebunden; die ausgezeichneten Wissenschaftler können das Geld nach eigenem Ermessen einsetzen, um große Forschungsprojekte zu realisieren. Am Mittwoch übergab Stiftungsvorstand Dr. Stefan Hofmann die Auszeichnung im Balkonsaal des Schlosses zum ersten Mal an utb-Autor Prof. Dr. Thilo Streck.

„Mit dem Programm „Freiräume für die Forschung“ möchten wir als Stiftung herausragenden Wissenschaftlern die Zeit und Freiheit verschaffen, mehr forschen zu können“, erklärt der Vorstand der Gips-Schüle-Stiftung Dr. Hofmann. Die Auszeichnung solle die Universität Hohenheim in die Lage versetzen, ihre exzellenten Kräfte im Wettbewerb mit anderen Universitäten einzubringen.

Rektor Prof. Dr. Stephan Dabbert betont den besonderen Wert der Auszeichnung für die Universität. „Damit bekommen wir mehr Freiheit, denn die Geehrten können selbst entscheiden, wie sie die Mittel einsetzen.“ Das sei selten, betont der Rektor: Die meisten derzeit ausgeschriebenen Preise und Programme würden ihre Mittel zweckgebunden vergeben und dadurch nur wenig Raum für individuelle und flexible Planung lassen.

Die Universität sieht das Programm als Chance, große, interdisziplinäre Forschungsprojekte zu verwirklichen, bei dem vielfältige Aktivitäten verschiedener Forscher zu einer großen Fragestellung zusammengeführt werden. Dass geplant sei, das Programm insgesamt sechs Jahre lang laufen zu lassen, gebe dabei eine langfristige Perspektive, um weitere Projekte anzustoßen.

Jury würdigt Leistungen und Visionen von Prof. Dr. Thilo Streck

Erster ausgezeichnete Forscher des Programms ist Biogeophysiker Prof. Dr. Thilo Streck. Als Sprecher der interdisziplinären DFG-Forschungsgruppe „Regionaler Klimawandel“ (FOR 1695) beschäftigt er sich mit Wechselwirkungen zwischen Boden, Pflanzen, Landwirtschaft und Klima.

Dabei handelt es sich vor allem um Grundlagenforschung. Die beteiligten Physiker, Bodenkundler, Pflanzenwissenschaftler und Agrarökonomen entwickeln u.a. neue Computermodelle, die den heutigen in zwei Punkten wesentlich überlegen sind: Zum einen berücksichtigen sie erstmals die Wechselwirkungen zwischen Klima, Pflanzenbewuchs und Reaktion der Landwirte auf neue Bedingungen. Zum anderen sind sie wesentlich genauer und detaillierter als jetzige Computermodelle.

Dieser interdisziplinäre Ansatz beeindruckt Stiftungsvorstand Dr. Hofmann: „Das Projekt von Prof. Dr. Streck schlägt Brücken zwischen Ökologie, Ökonomie und Klimaforschung.“

Chance für die Klima-, Atmosphären- und Pflanzenforschung

Aufbauend auf der DFG-Forschergruppe und diese deutlich erweiternd, soll nun ein Clusterantrag im Rahmen der Exzellenzstrategie gestellt werden. Sein Hintergrund als Mitglied in einer Gruppe von Forschern ist Prof. Dr. Streck auch als Sprecher der Gruppe wichtig. „Die Ideen im Projekt kommen von 25 Forschern. Meine Aufgabe ist es, die Gruppe zusammenzuhalten.“ Das Fördergeld des „Freiräume für die Forschung“-Programms will er verwenden, um Ideen aus dieser Arbeitsgruppe weiter auszuarbeiten und entsprechende Forschungsanträge vorzubereiten.

„Wir haben hier ein Spezialthema, auf dem wir sehr gut sind und das keine andere Universität in Deutschland so umfassend bearbeiten kann, wie wir“, urteilt auch Rektor Prof. Dr. Dabbert. „Ich bin sicher, dass in diesem Bereich noch wesentlich mehr Potential für große Forschungsprojekte ist. Das wollen wir auch seitens des Rektorates fördern.

Stifter erkennt internationale Forschungsleistung an

Die Entscheidung zur Zusammenarbeit sei der Stiftung nicht schwer gefallen, betont Dr. Hofmann. „Die Universität Hohenheim ist die älteste Uni in Stuttgart und hat einen hervorragenden Ruf.“ In Agrarforschung und Food Sciences listen sie alle internationalen Rankings derzeit als Deutschlands Nr. 1. In den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften gehöre sie laut Wirtschaftswoche zu den Top-Ten-Ausbildern.

Außerdem sei der Stuttgarter Stiftung auch der lokale Bezug zur Universität Hohenheim wichtig gewesen.

Quelle: idw

Text Barsch/Klebs

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