Robin – die vegane Sportlerin

Robin ist 19 Jahre alt und studiert Internationale Wirtschaftskommunikation an der Internationalen Hochschule SDI München. Sie ist vegan und treibt gerne und oft Sport. In diesem Interview erzählt Sie uns von den Vorteilen und Schwierigkeiten ihres veganen Lebensstils. Die Fragen stammen von ihrer Kommilitonin Francesca.


Wir kennen mehrere vegane Athleten auf höchstem Niveau, wie zum Beispiel unter anderem Patrik Baboumian (Powerlifting-Weltrekordhalter) oder Novak Djokovic (derzeit weltweit die Nummer eins im Herren-Einzel-Tennis). Man hört jedoch oft, dass man tierisches Eiweiß essen sollte, wenn man Sport treibt. Du bist selber Veganerin und joggst oft und gerne. Was antwortest du darauf?
Eiweiß an sich unterschreibe ich zu 100%. Gerade bei Sportlern werden Muskeln und Knochen beim Training stark belastet und benötigen Aminosäuren zum Aufbau und zur Regeneration. Tierisches Eiweiß dagegen sehe ich als nicht notwendig. Es gibt unheimlich viele pflanzliche Eiweißquellen, durch die man seinen täglichen Eiweißbedarf einfach (und lecker) decken kann. Viele von diesen enthalten sogar mehr Eiweiß als tierische Produkte. Rote Linsen beispielsweise enthalten knapp 27g Protein auf 100g, Eier lediglich 11g. Weitere pflanzliche Eiweißquellen, die ich empfehlen kann, sind Nüsse, auch in Form von Nussmus, sämtliche Hülsenfrüchte, Tofu oder Haferflocken.


Wie lange bist du schon Veganerin? Und was hat dich dazu gebracht, eine zu werden?
Ich bin seit fast elf Monaten vegan. Angefangen hat es tatsächlich mit einer Art „Probezeit“. Da ich schon einiges über die Vorzüge dieser Ernährungsform in Bezug auf die Umwelt und die sportliche Leistungsfähigkeit gelesen hatte, wollte ich es erst einmal für einen Monat ausprobieren und gucken, wie es so ist. Viele weitere ethische und tierrechtliche Gründen sind mir erst in den Monaten darauf richtig klargeworden. Ich verwende hier gerne den Spruch „was du nicht willst, dass man dir tut, das füg auch keinem andern zu“. Ich möchte nicht, dass mir mein Kind kurz nach der Geburt entrissen wird, damit ich Milch für das Supermarktregal produzieren kann. Ich möchte nicht, dass alle meine Söhne geschreddert werden, nur weil sie männlich sind. Ich möchte nicht in einem dunklen, dreckigen Raum eingepfercht sein, ohne Tageslicht und die Möglichkeit, mich zu bewegen, nur um auf meinen unausweichlichen Tod zu warten. Deswegen füge ich dieses Leid auch keinem Tier zu. Und deswegen ist aus der Probezeit eine Lebenseinstellung geworden.


Bist du direkt von einer „Allesfresser-Diät“ zu einer veganen Diät übergegangen oder gab es mehrere Schritte?
Ich habe tatsächlich einen Schritt nach dem anderen gemacht, da ich auch erst nach und nach mehr über dieses Thema gelernt habe. Ich bin zunächst von einer omnivoren auf eine pescetarische Ernährung umgestiegen, dann auf eine vegetarische und schlussendlich auf die vegane. In anderen Worten: ich habe erst nur noch Fisch, aber kein Fleisch gegessen, dann gar keine Tiere mehr und schlussendlich komplett auf tierische Produkte verzichtet.


Wie haben die Menschen in deiner Umgebung reagiert, als du deine Entscheidung bekannt gegeben hast, vegan zu werden?
Sehr unterschiedlich. Ich denke, ich bin mit jeder möglichen Reaktion konfrontiert worden. Von hundertprozentiger Unterstützung über Zweifel, die sich allerdings schnell aufgelöst haben, bis hin zu völligem Unverständnis war alles dabei.


Wird dein soziales Leben von deinem veganen Lebensstil beeinflusst/betroffen?
Das würde ich nicht sagen. Man muss lediglich darauf achten, dass, wenn man sich z.B. in einem Restaurant oder Café trifft, dort auch vegane Optionen angeboten werden. Das ist allerdings heutzutage fast überall der Fall.


Auf welche Schwierigkeiten bist du gestoßen – und stößt eventuell immer noch?
Zunächst kann man hier das Unverständnis von der vorherigen Antwort aufgreifen. Gerade mit Familienmitgliedern, die sich noch nie mit dem Thema beschäftigt haben und für die vor allem der Fleischkonsum komplett normal ist, gerate ich oft in Diskussionen. Das ist sehr schade. Der zweite Punkt, den man erwähnen muss, ist, dass man beim Einkauf sehr genau auf die Zutatenlisten achten muss. Selbst in Produkten, die keine tierischen Produkte zugesetzt brauchen, z.B. Brot, ist oft Magermilchpulver o.ä. versteckt.


Bietet die Universitätskantine vegane Optionen an? Oder wie gestaltest du deine Malzeiten in der Uni?
Leider fällt das vegane Angebot bei mir an der Hochschule sehr spärlich aus. Bei den warmen Gerichten findet man zwar vegetarische Optionen, diese enthalten jedoch immer irgendwelche Milchprodukte, sei es Sahnesoße, Käse oder Butter. Als Veganer/in hat man nur die Möglichkeit, auf frisches Obst wie Äpfel oder Bananen zurückzugreifen. Als Mittagessen an einem anstrengenden Uni-Tag reicht das aber natürlich nicht. Ich nehme mir deswegen an langen Tagen immer etwas mit, das ich zuhause vorbereitet habe. Das können Reste vom Vortag sein, die man gut kalt essen kann, oder beispielsweise Brote mit Gemüsesticks.


Hättest du letztendlich eine Buchempfehlung zum Thema „Veganismus“?
Für diejenigen, die sich noch mehr mit dem Thema beschäftigen und mehr Hintergrundinformationen haben möchten, kann ich das Buch „Vegane Ernährung“ von Heike Englert und Sigrid Siebert empfehlen. Das Buch geht sehr sachlich an die Thematik heran. Die Autoren gehen auf die Motive und gesundheitlichen Aspekte veganer Ernährung ein sowie deren Bedeutung von für eine nachhaltige Entwicklung.

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Buchtitel

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Druck-Ausgabe: , eBook-Ausgabe:

https://www.utb-shop.de/vegane-ernahrung-10418.html

 
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