Nicht nur der US-Präsident Donald Trump wirft mit Beleidigungen oder diskriminierenden Aussagen um sich. Man braucht nur nach Chemnitz blicken, um zu sehen, dass „verbale Gewalt“ auch wieder hier willkommen scheint. Sind wir aber tatsächlich „linguistisch brutaler“ als früher oder sind die Rassisten, die Nazis, die Rowdys und die Internet-Trolls einfach erfolgreich laut?

Der utb-Autor und Philosoph Dr. Gerald Posselt nähert sich gerade dieser Frage mit seinem Forschungsprojekt „Sprache und Gewalt“ an der Universität Wien.

Posselt unterscheidet zwischen konkreter Gewalt, wenn also beleidigt oder gedroht wird, und struktureller sprachlicher Gewalt, wenn also jene in Machtpositionen darüber dominieren, wer spricht und wie oft oder wie viel jemand sprechen darf. Heißt: unterbrechen, nicht ausreden lassen, Argumente trivialisieren.

Politisch kommt es aktuell auch zu einer strategischen Verschiebung des Sprachgebrauchs. Er nennt den Begriff der ‚Festung Europa‘ als Beispiel. Dieser stamme aus dem Nationalsozialismus und man hätte 2005 im Zuge der Flüchtlingskrise diesen erstmals positiv verwendet. Mittlerweile habe man sich daran gewöhnt. Die Flüchtlings- und Asylproblematik werde am Köcheln gehalten, um politische Agenden und ideologische Vorstellungen leichter durchsetzen zu können.

Mit dem Zeitalter des Internets, wo man aus den eigenen vier Wänden in die ganze Welt hetzen kann, gibt es keine Hemmungen mehr. So haben die sozialen Medien, die die Publikation und Verbreitung von Postings und Kommentaren in Echtzeit erlauben, nicht nur zu einer Demokratisierung der Meinungsäußerung beigetragen, sondern auch neue Formen von Hass, Propaganda und Hetze hervorgebracht. Hier stehen sich also die Grundrechte auf Redefreiheit und Nicht-Diskriminierung gegenüber und müssen sorgfältig abgewogen werden.

Eine gewaltfreie Sprache kann es laut Posselt nicht geben, aber gerade deswegen solle man Sprache verschränkt mit Ethik und Politik betrachten. Sprechakte wären immer gewaltsamer, wenn sie adressiert sind, in einem Autoritätsgefälle oder in der Öffentlichkeit stattfinden, und wenn sie ständig wiederholt werden. Gerade im Kontext der sozialen Medien erlange die Zitierbarkeit besondere Relevanz. Es wird also eine Regulierung gebraucht. Gemeint sind dabei aber nicht nur rechtliche Regulierungen, sondern auch von seitens der Gesellschaft, der Medien und Politik und dem Einzelnen. Sprechen muss produktiv sein. Wir brauchen einen Diskurs, der laut Posselt offen bleiben muss, die Möglichkeiten des Gegensprechens und Antwortens erlaubt und nicht moralisierend den Zeigefinger erhebt.

Quelle: www.tt.com, www.scilog.fwf.ac.at

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