Jetzt ist es soweit: Die erste wissenschaftliche Abschlussarbeit muss geschrieben werden. Einsame Tage im stillen Kämmerlein stehen bevor. Damit sich die Mühe lohnt und das Ergebnis gut wird, fragen wir lieber erst mal jemanden, der sich damit auskennt: Eva Müller in unserem utb-Autoreninterview.

1. Können Sie sich noch an Ihre erste(n) wissenschaftlichen Arbeiten erinnern? Was empfanden Sie dabei als besondere Herausforderung?

Daran kann ich mich – leider – sehr gut erinnern: „Schreiben Sie das mal zusammen.“ Das war die einzige „Hilfestellung“, die ich von

Eva Müller /privat/

Eva Müller /privat/

meinem Doktorvater bekam, als ich meine Doktorarbeit und gleichzeitig ein Paper verfassen sollte. Vollkommen ahnungslos, wie ich das machen sollte, habe ich mühselig irgendetwas zusammen geschrieben, mit dem traurigen Ergebnis, dass sowohl die Doktorarbeit als auch das Paper abgelehnt wurden. Sie sehen also, auch ich habe ganz unten angefangen.

Die besondere Herausforderung dabei war, dass mir niemand gesagt hatte, wie man solch eine wissenschaftliche Arbeit schreibt. Vielmehr wurde mir vermittelt: „Schreiben, das kann doch jede/r!“ Heute weiß ich, dass das Schreiben von wissenschaftlichen Arbeiten keine angeborene Fähigkeit ist sondern eine Technik, die man lernen kann und muss. Steht einem dieses Handwerkzeug dann zur Verfügung, ist auch das Schreiben um ein Vielfaches leichter.

Und genau diese Technik versuche ich in meinem Buch Schritt für Schritt zu vermitteln.

 

2. Warum ist es wichtig, nicht nur Daten und Fakten zusammenzufassen, sondern mit der wissenschaftlichen Arbeit auch eine Geschichte zu erzählen?

Wissenschaftliche Daten und Fakten sind meist sehr komplex. Stellt man sie nicht in einen Zusammenhang, die Story, wird oft nicht verstanden, welche Bedeutung die Dinge haben, die man erforscht und entdeckt hat. Und – ganz unabhängig von der Datenqualität – Arbeiten, die nicht verstanden werden, werden entweder schlecht benotet (Studienarbeit) oder abgelehnt (Paper).

Außerdem, selbst WissenschaftlerInnen lesen lieber interessante Geschichten als langweilige Daten-Dokumentationen.

 

3. Wenn schon das Brainstorming für die Studienarbeit mühsam ist – was raten Sie dann? Ein anderes Thema wählen?

Wenn man sich ans Schreiben macht, ist das Thema schon vorgegeben und die praktische Arbeit meist bereits gemacht. Ein Themenwechsel ist daher nicht mehr möglich. Aber man sollte sich nicht unterkriegen lassen, denn oft ist der Anfang besonders schwer. Je mehr man sich dann mit dem Thema beschäftigt, desto leichter wird es. Was glauben Sie, wie ich mich manchmal am Anfang eines neuen Schreibprojekts quäle und plötzlich flutscht’s. Also, dranbleiben, Geduld haben!

Was auch noch hilft, wenn man ins Stocken kommt, ist Lesen. In der Literatur findet man so viele Anregungen, z. B. zum Aufbau der Arbeit, zu den Hintergründen, zur Wichtigkeit der eignen Studie im Verglich zu bereits existierenden Daten, zu möglichen Interpretationen der eigene Daten u.v.m. Ich könnte Ihnen da eine unendlich lange Liste schreiben.

Ganz wichtig ist auch: Man sollte sich helfen lassen. Oft wird einem das Gefühl vermittelt: „Das muss ich ganz alleine schaffen“. Aber das ist doch viel zu anstrengend! Man kann z. B. jemanden, der schon mal ein Paper geschrieben hat, fragen: „Wie hast denn du deinen Artikel aufgebaut?“ usw. Und das muss nicht mal jemand aus dem gleichen Forschungsgebiet sein; etwas außenstehende Personen haben oft einen viel klareren Blick auf die eigene Arbeit.

Und man kann natürlich ein kluges Buch lesen ;-).

 

4. Was ist das Schlimmste, was beim Abfassen einer wissenschaftlichen Arbeit passieren kann? Und wie gehe ich damit um?

Das Schlimmste, hm…: Dass man sich monatelang allein in seinem stillen Kämmerlein mit der Schreiberei abgemüht hat, dann endlich mit der fertigen Arbeit heraus kommt und zu hören bekommt: „Das ist doch unmöglich, schreiben Sie das noch einmal“. Aber das passiert sicher nicht, wenn man sich zugesteht, dass man sich zuerst mit der Technik des Schreibens vertraut machen muss, und während des gesamten Schreibprozesses kontinuierlich im Austausch mit Kollegen und Vorgesetzten ist.

Und das Schönste am Schreiben ist, wenn man das fertige Produkt – die Studienarbeit, das Paper oder was auch immer – vor sich liegen hat, und weiß: Das habe alles ich gemacht, die praktische Arbeit, das Zusammenschreiben, das Publizieren… Da ist man dann richtig stolz auf sich selber. Zu Recht!

 

Autor

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Dozentenbewertung
Bewertung: ✰✰✰✰
Kundenmeinung von N. Cordes am 19.03.2015
Ein wertvolles Buch für Naturwissenschaftler, mit vielen nützlichen Tipps. Schön sind der Fokus auf den Schreibprozess (erst lesen, dann schreiben) und die detailreichen Abschnitte zur Struktur eines wissenschaftlichen Papiers. Besonders wertvoll: Der Rat direkt zu Beginn (“Erzählen Sie eine Geschichte”).

 

Dozentenbewertung
Bewertung: ✰✰✰✰✰
Kundenmeinung von A. Balazs am 12.01.2015
Die Erwartungen, die durch den Text auf der Buchrückseite geweckt worden sind, wurden vollends erfüllt:
Das Buch liefert einen praktischen Leitfaden für Schreibnovizen der naturwissenschaftlichen Fächer und Medizin, die während ihres Studiums wenig oder gar keine eigene Texte schreiben müssen, doch mit einer umfangreichen Abschlussarbeit ihre Fähigkeiten beweisen sollen. […]

 

 

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