Studierende, die schon einmal eine Seminar- oder Hausarbeit für das Studium verfassen mussten, kennen das Problem: Man starrt seit einer halben Stunde auf den Bildschirm oder auf ein Blatt Papier und überlegt wie man den Text beginnen bzw. weiterschreiben soll. Der passende einleitende oder anschließende Satz will einem einfach nicht in den Sinn kommen. Oder man schreibt zum hundertsten Mal immer denselben Satz in allen möglichen Varianten um, aber so wirklich zufrieden ist man mit dem Endergebnis immer noch nicht. Der Fall ist klar: Eine Schreibblockade verhindert jegliches Weiterarbeiten. Unter anderem diesem Problem und wie man es lösen kann widmet sich Yannick Weiler in seinem utb-Band #SchreibenKannIch.

Yannick Weiler hat bis vor Kurzem noch selbst studiert, unterrichtet jetzt Englisch und Geschichte an einem Hamburger Gymnasium und schreibt über Online Marketing und Suchmaschinenoptimierung auf searchestate.de.

Auszug aus: Kapitel 4: Schreibblockaden lösen

[Schreibblockaden] hat wohl jeder schon einmal erlebt und das ist auch ganz normal. Denn wenn du eine wissenschaftliche Arbeit schreibst, tust du das nicht im luftleeren Raum, sondern mit gewissen Erwartungen und dem Wissen, dass dein Geschriebenes später benotet werden wird. Und dass diese Note in deinen Abschluss einfließen wird. Und dass dieser Abschluss deine Jobchancen beeinflussen wird. […]

Mit solchen oder so ähnlichen Gedanken versucht dein Kopf dich häufig genau dann zu bombardieren, wenn du ihn eigentlich bräuchtest, um die Arbeit zu schreiben. Und nicht selten glaubst du diese Gedanken dann auch noch. […]

Der Witz ist aber, dass es bei wissenschaftlichen Arbeiten im Grunde gar nicht um Noten geht. Du bekommst am Ende zwar eine, eigentlich geht es aber um etwas, das du in ganz vielen anderen Lebenssituationen auch tun musst: deinen inneren Kritiker überwinden. Der Kritiker ist die Stimme in deinem Kopf, die solche Sätze wie oben sagt und dich damit lähmt – dich dazu bringt, den Satz in deinem Kopf nicht aufzuschreiben; den Satz wieder zu löschen. […] Beim Schreiben generell […] ist es aber ganz zentral, dass du erst einmal Sätze aufs Blatt bringst. Die sind beim ersten Versuch meistens noch nicht perfekt. Aber das müssen sie in den meisten Fällen auch nicht sein. Dafür sind sie aber etwas viel Wichtigeres: ein Anfang.

Wie also kannst du deinen inneren Kritiker überwinden?

So richtig habe ich das selbst erst geschafft, als ich angefangen habe auf www.masterdeinstudium.org zu schreiben (die Seite betreibe ich nicht mehr, dort wurde aber die Idee zu diesem Buch geboren). Denn ich war mir bewusst, dass hunderte Menschen das lesen würden, was ich gerade in meinen Computer tippte. Dass mich vielleicht sogar zukünftige Arbeitgeber googeln würden. Und dass ich mich bis auf die Knochen blamieren könnte.

Am Anfang hat mich das behindert. Aber ziemlich bald habe ich angefangen, meinem Kritiker mehr Aufmerksamkeit zu widmen, mir bewusst zu machen, wann er mit mir spricht und mich dazu bringen will, den Glauben an das, was ich gerade geschrieben habe, zu verlieren.

Ja genau: Aufmerksamkeit! Denn die meisten Studierenden sind sich nicht bewusst, dass Schreibblockaden auf das Konto des inneren Kritikers gehen. Wenn ihnen „nichts Gutes“ einfällt oder sie einen Satz plötzlich doof finden, schreiben sie das sich selbst und ihrer „Unfähigkeit“ zu.

Tatsächlich hat das aber nichts mit ihnen persönlich zu tun. Sie hören einfach nur den Kritiker – und der spukt im Kopf des Bestsellerautors genauso wie in deinem. Die Lösung besteht also darin, dir bewusst zu werden, dass es diese Stimme in deinem Kopf gibt. Und dass ihre Kritik völlig unerheblich ist.

Mit ein bisschen Übung wirst du dann ziemlich schnell feststellen, ob der Kritiker gerade versucht (unbegründet) jegliche Produktivität zu zerstören oder ob du selbst gerade tatsächlich eine Schwachstelle in deiner Arbeit entdeckt hast. Bevor du also das nächste Mal einen ganzen Absatz löschst oder keinen zu Papier bringen kannst, frag dich: „Wer spricht?“

Und wenn du den Kritiker dann zwar identifizieren, aber noch nicht ruhigstellen kannst, empfehle ich dir eine dieser beiden Techniken:

  1. Überleg dir eine Standardantwort für den Kritiker. Die kann einen witzigen Hintergrund haben – zum Beispiel: „Halt stopp, jetzt schreibe ich und das hier wird eine super Arbeit!“ – oder auch ernsthafter sein: Dein Einfallsreichtum ist gefragt. Jedenfalls solltest du die Antwort mögen und sie sollte dich daran erinnern, dass du alle Fähigkeiten für eine sehr gute wissenschaftliche Arbeit bereits in dir hast. Sobald du die Antwort dann gesagt hast (vielleicht sogar mehrmals) und dein Kritiker Ruhe gibt, schreibst du weiter. Sollte er wieder auftauchen, geht das Frage-Antwort-Spiel von vorne los. Doch du wirst sehen: Sehr bald wird sich der Kritiker wahrscheinlich seltener und seltener melden.
  2. Konzentrier dich so sehr auf das Schreiben, geh so sehr darin auf, dass der Kritiker keine Chance hat, seine Stimme zu erheben. Und wie funktioniert das? Schreib so schnell du kannst! […] Dein Ziel ist es „im Tunnel“ zu sein, deine Hände so über die Tastatur fliegen zu lassen, dass du dich voll darauf konzentrieren musst und sich ein Gefühl von Geschwindigkeit und Fortschritt einstellt. Tipp immer weiter, lies keinen deiner letzten Sätze; es geht immer vorwärts und vorwärts, weniger Buchstabe für Buchstabe (das wäre zu klein gedacht), sondern Satz für Satz. Bei der Geschwindigkeit hat der Kritiker meiner Erfahrung nach nicht die leiseste Chance dazwischen zu quatschen. (Wenn du dann zwischen den Absätzen hängenbleiben solltest, kannst du diese Technik mit der Standardantwort kombinieren.)

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