Der utb-Autor Thomas Niehr ist Sprachwissenschaftler und Vorsitzender der “AG Sprache in der Politik”. In einem Interview mit der Esslinger Zeitung bestätigte er, dass sprachliche Tricksereien und Provokationen zum politischen Geschäft gehören. Jeder, merkt Thomas Niehr an, habe das Recht zur freien Meinungsäußerung. Auf sprachliche Verfehlungen sollte jedoch deutlich hingewiesen werden.
Alexander Gauland sei sich der Folgen bewusst gewesen, als er sich die „Entsorgung“ der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Aydan Özoguz, in Anatolien wünschte. Problematisch sei, dass die Medien einerseits auf solche Verfehlungen aufmerksam machen müssten, andererseits solchen Personen dadurch eine Bühne geben würden. Gauland habe hier die Grenze überschritten, da das Wort “entsorgen” immer im Kontext mit Müll auftaucht und er somit Menschen mit Müll verglichen habe.

In den vergangenen Jahren haben die Provokationen der Rechten zugenommen, so Niehr. Dies habe insgesamt zu einer Verschiebung der Debatte nach rechts geführt. So sei es vor zehn Jahren nicht denkbar gewesen, dass die CSU Plakate mit „Deutschland muss Deutschland bleiben“ aufgehängt hätte.
Für die Sprache im neuen Bundestag wünschte sich Thomas Niehr, dass die demokratischen Kräfte gemeinsam Grenzen aufzeigen und klar machen werden, dass die einfachen Lösungen der Populisten nicht funktionieren.

Quelle: www.esslinger-zeitung.de, Fabian Schmidt

Prof. Dr. Thomas Niehr lehrt Germanistische Sprachwissenschaft an der RWTH Aachen.

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