Japan und Südkorea haben beim Konflikt um ehemalige Zwangsprostituierte im Zweiten Weltkrieg eine Einigung erzielt; doch für die betroffenen Frauen ist die Einigung eine Farce.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten südkoreanische Frauen als Zwangsprostituierte in japanischen Militärbordellen arbeiten. Schätzungsweise 200.000 Frauen aus Korea, China, Malaysia oder den Philippinen erlitten dieses Schicksal. Nach dem Krieg wurde das Thema zunächst totgeschwiegen. Erst Anfang der 90er Jahre ging die erste ehemalige „Trostfrauen“ an die Öffentlichkeit. Sie fordern eine offizielle Entschuldigung von Seiten Japans und finanzielle Entschädigung – direkt von der Regierung.

utb-Autor Reinhard Zöllner, Leiter der Abteilung für Japanologie und Koreanistik an der Universität Bonn berichtet, dass zwar schon Entschädigungsfonds eingerichtet wurden, die Gelder stammten jedoch nicht von der japanischen Regierung.

Am 28. Dezember 2015 kam nun die überraschende Nachricht Südkorea und Japan hätten sich geeinigt. Man wolle einen Fond zur Unterstützung der Opfer einrichten, in den Japan umgerechnet 7,6 Millionen Euro einzahlen werde. Der Zeitpunkt der Einigung sei nicht überraschend, so Zöllner. Für beiden Regierungen sei es wichtig gewesen das Problem noch im Jahr 2015 zu klären, da jezt 50. Jahre seit dem Normalisierungsvertrag zwischen Japan und Südkorea vergangen sind. Für Japan sei die ausgehandelte Lösung ausgesprochen preisgünstig, kommentierte Zöllner und auch für Südkorea, dem es wichtig war, dass das Geld direkt aus dem japanischen Staatshaushalt kommt, sei die Einigung erfolgreich. Die damaligen Opfer sind indessen mit der Lösung nicht zufrieden und hätten sich ein Mitsprachrecht bei den Verhandlungen gewünscht. Auch die südkoreanischen Medien seien von dem schnellen Durchbruch zwischen Seoul und Tokio überrascht worden, berichtet Reinhard Zöllner von der Uni Bonn.

Man geht davon aus, dass die Mehrzahl aller Zwangsprostituierten noch vor Kriegsende verstarben oder sich das Leben nahmen. Von den ehemaligen Zwangsprostituierten sind heute nur noch 46 am Leben.

Quelle: www.dw.com, Esther Felden

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Kundenmeinung von Mathias Munkenbeck Bewertung :

Werke, die die Geschichte Japans darstellen, gibt es zahlreiche, besonders in der englischen Sprache. Im deutschen Sprachraum war bisher John Whitney Halls übersetzte Monografie das wahrscheinlich umfassendste Standardwerk. Leider litt es meines Erachtens darunter, dass die gesamte Geschichte Japans seit den Ursprüngen dargestellt werden sollte, was mitunter dazu führte, dass auf viele Sachverhalte nur sehr kurz eingegangen wurde. Reinhard Zöllner wählt einen anderen Ansatz und konzentriert sich auf die Geschichte Japans ab 1800, legt aber mit einer Darstellung der Geschehnisse ab ca. 1600 eine solide Grundlage, welche relevant zum Verständnis des Wandels ist, der in Japan besonders stark ab Mitte des 19. Jahrhunderts stattfand.

Zöllner, seines Zeichens Historiker mit Schwerpunkt auf die Moderne und derzeit Inhaber einer Professur für Japanologie an der Universität Bonn, hat es geschafft die Entwicklung Japans seit 1800 anschaulich darzustellen ohne dabei das relevante aus den Augen zu verlieren. So hetzt er nicht von Ereignis zu Ereignis, geht aber auch nicht zu sehr ins Detail, sondern verweist in zahlreichen Fußnoten auf entsprechende vertiefende Fachliteratur. Trotz allem gelingt es ihm nicht nur dem Leser die politische Entwicklung Japans aufzuzeigen, auch wirtschaftliche und soziale Verhältnisse werden dargestellt, so dass ein umfassendes Bild Japans gezeichnet wird. So wird auf die Lebensverhältnisse der Bevölkerung der Meiji-Zeit genauso eingegangen wie auf die außenpolitischen Bestrebungen Japans im frühen 20. Jahrhundert. Unterstützt wird die Darstellung dabei von zahlreichen Tabellen und Abbildungen, welche das Verständnis mitunter erleichtern (bestes Beispiel ist die Visualisierung der Ideologie des kokutai, des Staatskörpers). In der neuesten Auflage werden auch die Ereignisse des 11.März 2011 behandelt, womit dieses Buch wahrscheinlich eine der aktuellsten Nationalgeschichten ist.

Meines Erachtens ist das Werk ohne Einschränkung zu empfehlen, besonders für Japanologen, aber auch für Leute, die ein generelles Interesse an Japan haben.

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