Lässt sich der Klimawandel noch aufhalten? Wie hat sich die Klimaforschung in den letzten 40 Jahren gewandelt? Unser Autor und Experte Wilhelm Kuttler, Autor des utb-Bandes „Klimatologie“ hat diese und weitere Fragen in unserem Experteninterview beantwortet.

1. Wie wird man Klimaforscher und ist ein Klimatologie-Studium der richtige Einstieg für diesen Berufswunsch?

Begeisterung für die Naturwissenschaften im Allgemeinen und Freude an der Klimatologie im Besonderen sollten Berufseinsteiger mitbringen. Klimaforscher wird man, indem man entweder Meteorologie oder Klimatologie (im Rahmen der Physischen Geographie) studiert. Gute mathematische und physikalische Kenntnisse sollten vorhanden sein oder sich im Studium angeeignet oder vervollkommnet werden. Auch im Bereich Chemie sind mindestens Grundlagenkenntnisse von Nutzen. Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, eröffnet sich für den Studenten ein außerordentlich interessantes Betätigungsfeld, das sowohl im kleinklimatischen als auch globalklimatischen Bereich angesiedelt sein kann.

 

2. Sie haben in den 70er Jahren studiert. Wie haben Sie den Technologiefortschritt in der Klimatologie erlebt?

Was hat sich im Vergleich zu Ihrer Studienzeit verändert? In den vergangenen über 40 Jahren hat die Klimaforschung eine rasante Entwicklung erlebt, nicht nur in Hinblick auf die Erforschung des globalen Klimawandels, sondern auch im Bereich der mikro- und mesoskalig angelegten Fragestellungen. Besonders markant sind die Fortschritte auf dem Gebiet der physikalischen und numerischen Modellierung, aber auch in der Messtechnik zu sehen. Während früher zum Beispiel nur mit relativ groben Methoden Spurenstoff- oder Eigenschaftsflüsse zwischen Atmosphäre und Boden im Rahmen von Bilanzierungen abgeschätzt werden konnten, sind an deren Stelle heutzutage Instrumente zur quantifizierenden Erfassung getreten. Rückblickend betrachtet wurde eine eher qualitativ ausgerichtete Klimatologie von einem nunmehr quantifizierend wirkenden Forschungsaspekt abgelöst. Für die klimatischen Erkenntnisse auf unserem Planeten stellt diese Entwicklung einen großen Forschungssprung nach vorn dar.

 

3. Wo ist der Forschungsbedarf in der Klimatologie derzeit am größten?

Der Forschungsbedarf in der Klimatologie ist sowohl in der Mikro/Mesoklimatologie (insbes. Stadtklimatologie) als auch im Makrobereich (Wirkungen des globalen Klimawandels) sehr hoch und sollte weiter ausgebaut werden. Vor allem im Stadtklimabereich erscheint mir erheblicher Forschungsbedarf zu existieren, da einerseits die meisten Menschen weltweit in Städten leben und andererseits der Klimawandel hier zu zunehmenden unerwünschten, durchaus auch gesundheitlich bedenklichen Phänomenen führt. Gerade die anwendungsorientierte Stadtklimatologie könnte hierbei die Grundlagen für eine klimagerechte und dem Klimawandel angepasste Stadtplanung schaffen.

 

4. Der Klimawandel ist eine der großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit mit zunehmend gravierenden Folgen für viele Lebensbereiche. Mit welchen Veränderungen müssen wir in Zukunft rechnen?

Falls die Ergebnisse der Projektionen der Modellensembles, die auf makroskaliger Ebene von den großen Forschungsinstitutionen weltweit zum globalen Klimawandel gerechnet werden, zutreffen – und vieles spricht dafür-, wird es unweigerlich zu Verschiebungen von Klimazonen kommen. Auch dürfte sich lokalklimatisch in vielen Ländern der Erde eine Entwicklung durchsetzen, die das Auftreten von Wetterextremen fördert.

 

5. Lässt sich der Klimawandel aus Ihrer Sicht noch aufhalten?

Nach meiner Auffassung lässt sich der bereits nachgewiesene Klimawandel nur schwerlich aufhalten. Die bekannten Protagonisten müssten unter Berücksichtigung der bisherigen naturwissenschaftlichen Erkenntnisse weltweit dafür sorgen, dass der Energieverbrauch und damit die Freisetzung von infrarotabsorbierenden Gasen deutlich verringert werden.

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