Über eine beeindruckende Welt der islamischen Philosophie lesen Sie in unserem utb- Autoreninterview mit Hamid Reza Yousefi

 

  1. Was war Ihre Intention, eine Einführung in die islamische Philosophie zu schreiben?

 

Reza Yousefi (privat)

Ich bin von Hause aus Philosoph und habe mich in den letzten 20 Jahren sehr intensiv mit der Geschichte des Denkens befasst. Es ist mir aufgefallen, dass in Bezug auf die Philosophien der islamischen Welt ein historisch gewachsenes Vorurteil in Europa entstanden ist, das alle Dialogbemühungen, milde ausgedrückt, bevormundet. Deshalb habe ich versucht, als Aperitif einen groben Überblick über diese Philosophien zu geben, um die Medaille von der Kehrseite her zu beleuchten.

 

  1. Wodurch unterscheidet sich die islamische Philosophie von anderen philosophischen Strömungen?

Alle Klassiker der islamischen Welt sind von zwei Grundmotiven beseelt: Sie betreiben entweder Philosophie in analytischer Sicht oder Philosophie in transzendentaler Sicht. Es gibt aber auch innerhalb dieses Gefüges Philosophen, die Philosophie in analytisch-hermeneutischer Sicht und induktive Metaphysik gleichermaßen betreiben. Solche Philosophen gibt es auch in Europa, wie Hegel. Es ist festzustellen, dass es zwischen Philosophien der islamischen Welt und anderen Philosophien mehr Gemeinsamkeiten gibt als Unterschiede. Ich halte es für ein Gerücht, die Philosophien der islamischen Welt seit Jahrzehnten als theologielastig zu etikettieren.

 

  1. Wie stark war der Einfluss der islamischen Philosophie und Kultur auf Europa?

Ich möchte meinen, dass es ohne die Philosophien der islamischen Welt keine europäische Philosophie geben könnte. Es ist historisch dokumentiert, dass diese Philosophen das griechische Erbe aus den Trümmern der Denkgeschichte herausgeholt, neu poliert und der Welt zur Verfügung gestellt haben. Die Philosophien der islamischen Welt sind in Europa in einer spezifischen Weise aufgenommen worden. Man hat sie in westliche und östliche unterteilt. Die westliche hat man für sich kassiert und die östliche diskreditiert. Dennoch haben die philosophischen und wissenschaftlichen Disziplinen, auf die wir heute stolz sind, eine diskursive Grundlage in den Philosophien der islamischen Welt.

 

  1. Warum haben Sie für Ihr Buch bewusst auf Originaltexte zurückgegriffen?

Diesen Versuch habe ich deshalb unternommen, weil wir in Europa keine einzige vollständige Übersetzung der Philosophien der islamischen Welt vorliegen haben. Es sind lediglich Einzelarbeiten, gekürzt und stark kommentiert, so dass man zwischen Original und Kommentar nicht mehr zu unterscheiden weiß. Mir ist nichts anderes übrig geblieben, als auf die Originalwerke zurückzugreifen, um die Basis eines erneuten, aber echten Dialogs zu ermöglichen.

 

  1. Nach welchen Kriterien haben Sie die 30 Einzelvorstellungen bedeutender Naturwissenschaftler und Philosophen ausgewählt?

Ich habe mich von keinem Auswahlkriterium leiten lassen, sondern eine pragmatische Auswahl getroffen. Von Anfang an war ich von dem Versuch beseelt, die Vielfalt der Denkformen in Natur- und Geisteswissenschaften und die Mannigfaltigkeit der Wege zur Darstellung zu bringen. Mit war es ein Anliegen zu zeigen, dass die Frage nach Wissen und Glauben durch die Denkmeister des Orients nach Europa gelangt sind und bis heute zu den virulenten Themen aller Diskurse gehören.

Autor

Buchtitel

Buchcover

Druck-Ausgabe: , eBook-Ausgabe:

Getagged mit
 
#commentform .comment-form-url { display: none; }