Die Aufgaben, die zu einer Tätigkeit bzw. Karriere an einer Hochschule oder Forschungseinrichtung gehören, umfassen bei Weitem nicht allein das Forschen am eigenen wissenschaftlichen Projekt, sondern sind divers und erfordern ein breites Spektrum an Kompetenzen, über die nach einem abgeschlossenen Studium zu verfügen keineswegs selbstverständlich ist. Man denke etwa an Felder wie Hochschuldidaktik, Drittmittelakquise, Sprechtrainings, Karriereplanung, Personalführung usw. Der Erwerb der benötigten Fähigkeiten und die Vertiefung des spezifischen Wissens gehören daher zu gelingenden Wissenschaftswegen dazu. Diese Wege allein zu gehen wäre eine unnötige Mühsal. Die Qualifizierung und Weiterentwicklung der einzelnen Forschenden, der forschenden Teams und der Hochschulen überhaupt rücken etwa angesichts der Suche nach exzellenten Universitäten oder Konkurrenzsituationen in den Fokus. Von entsprechenden Angeboten zur Förderung von Wissenschaftskarrieren, wie sie beispielsweise die hochschulübergreifende Hamburg Research Academy (HRA) bietet, können Promotionsinteressierte, Promovierende und Postdocs in höchstem Maße profitieren. In den vergangenen Jahren kamen zudem thematisch einschlägige Sachbücher auf den Markt, zum Beispiel die Ratgeber von Regine Rompa (22015) oder Christine Färber/Ute Riedler (22016), die Ratschläge für verschiedene Stationen der Hochschulkarriere geben sollen.
Hier setzt auch das von Anette Hammerschmidt und Neela Enke herausgegebene Kompendium Forschen, Lehren, Führen. Das ABC für die Hochschulkarriere an, das 2020 erschien und sich ebenfalls an jene richtet, die eine Hochschulkarriere anstreben. Die im fächerübergreifend angelegten Band versammelten Beiträge stammen von Expertinnen und Experten (Trainerinnen, Hochschulmitarbeiterinnen, Fachleute für z. B. Coaching, Wissenschaftsmanagement usw.), die Erfahrungen aus verschiedenen einschlägigen Bereichen innerhalb und außerhalb universitärer Strukturen vorweisen können (S. 249–252).
In ihrem einleitenden Abschnitt über die Rahmenbedingungen (S. 11–20) erinnern die Herausgeberinnen an die Relevanz der „Berücksichtigung und Kenntnis des akademischen Kontextes mit seinen spezifischen Eigenarten und Tücken“ (S. 11), stellen grundlegende Überlegungen etwa zu sozialen Systemen sowie universitären Hierarchien oder den Gefahren vermeintlicher Selbstoptimierung an und umreißen Potentiale des Coachings. Insbesondere wollen die Autorinnen und Autoren „typische Fragen, Situationen und Stationen auf dieser Reise aufgreifen und in der Erörterung den systemischen Kontext immer mit(be)denken.“ (S. 11).
Wie der Titel andeutet, werden ausgewählte Begriffe bzw. die damit verbundenen Felder in alphabetischer Ordnung behandelt: Von A wie „Anfang gestalten“ (S. 25; 25–27) bis Z wie „Zuhören“ (S. 244; 244–247). So stellt Hammerschmidt im ersten ihrer zuvor genannten Beiträge zunächst Tipps zusammen, wie das Ankommen in einem neuen universitären Umfeld gelingen kann (S. 25–27). Weitere Abschnitte sind beispielsweise Themen wie „Mobbing“ (S. 152; 152–155, Beitrag von Monika Klinkhammer/Enke), „Netzwerken“ (S. 161; 161–164, Beitrag von Silke Oehrlein-Karpi) oder „Zeitmanagement“ (S. 241; 241–244, Beitrag von Cornelia Rahn) gewidmet. Die Einträge folgen grundsätzlich dem Muster, dass auf eine praxisbezogene Frage(stellung) bzw. Problemanzeige sowohl Betrachtungen zur Sache als auch konkrete Denk- und Handlungsanstöße für die Lesenden folgen. Daran schließen jeweils weiterführende Literaturhinweise an. Durch die alphabetische Anordnung werden gelegentlich verwandte Themen (trotz Querverweisen) künstlich getrennt, etwa die von Enke kompakt dargestellten Ausführungen zum Verfassen von Anträgen (S. 27–29) und dem Einwerben von Drittmitteln (S. 48–50). Ein Versuch, die Themen zu clustern, stellt eine das Inhaltsverzeichnis (S. 7–9) ergänzende Übersicht dar, die dem Hauptteil vorangestellt ist (S. 21f.). Überhaupt hätte man gelegentlich gern noch mehr zu einzelnen Themen erfahren, wiewohl die Beiträge als fachlich kundige und übersichtliche Einführungen bezeichnet werden dürfen. Ein Sachregister (S. 253–264) rundet das Werk ab, das auch als Online-Ausgabe erhältlich ist.
Die Vielfalt der behandelten Themen und der Praxisbezug sowie das gute Gespür für gegenwärtig relevante Fragen rund um Karrieren an Hochschulen und Forschungseinrichtungen zählen zu den Stärken des vorliegenden Buchs. Das Werk ist gut lesbar und bietet nicht nur Einstiege in die jeweiligen Bereiche, sondern zeigt auch praktische Handlungsoptionen auf. Damit ist der preiswerte, lehrreiche Ratgeber für Wissenschaftlerinnen vor und nach der Promotion, Dozentinnen und Professor*innen über Fächergrenzen hinweg lesens- und empfehlenswert.

Rezensiert von Frank A. Kurzmann, Universität Hamburg, Fachbereich Evangelische Theologie, Institut für Kirchen- und Dogmengeschichte,

https://www.utb-shop.de/forschen-lehren-fuhren-11075.html

 
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