„Durch das Karl Barth-Jahr 2019 leiten uns eigens zu diesem Anlass erarbeitete Publikationen, Vorträge und Veranstaltungen. Vieles bleibt dem Anlass geschuldet und wird mit dem Ende des Jubiläumsjahres seine Zeit gehabt haben. Ein Buch jedenfalls wird dieses Jahr überdauern und in die Literatur über Karl Barth als ein Werk eingehen, auf das man immer wieder wird eingehen dürfen. Michael Weinrichs Werk über Karl Barth ist ein außerordentlich wichtiges Buch über Leben, Werk und Wirkung des 1968 verstorbenen theologischen Lehrmeisters. Weinrich ist ein subtiler Kenner Barths und betreibt deshalb nicht einfach spröden Barthianismus, sondern legt in allen Kapiteln nicht nur die Rasanz der theologischen Entwicklung Barths dar, sondern legt die Pointen in der Theologie Karl Barths dar, stellt Fragen an das Werk, befindet sich im Diskurs mit Barth-Kritikern und eröffnet bislang unerkannte Aspekte. Wer Barth kennenlernen möchte und zugleich dieses Kennenlernen eingebettet wissen möchte in die eigene theologische Existenz, der findet in diesem Buch ein Lehrbuch, das im guten Sinne heute nachdenklich stimmt. Es ist ein Buch über Barth und doch ganz entscheidend ein Buch über den Glauben der Kirche und das Glauben in einer Kirche. Michael Weinrich nimmt bei diesem Vorgehen den Leser an die Hand und führt ihn über immer neue Erkenntniswege zu den theologischen Schlüsselstellen. Die geschickt gewählte Didaktik des Buches gestattet es, das Buch in eigenem Tempo und selbstverantworteten Vertiefungen zu lesen. Zwölf Blitzlichter geben dem Leser Impulse, denen er auf seine Weise (und angeleitet durch entsprechende Kapitelangaben) folgen mag –hin zu Barths Lebensweg -oder über die Art, Barth zu lesen -oder über die Einführung in die theologischen Perspektiven -oder über Aspekte der Wirkungsgeschichte. Immer bleibt der Leser bei der Sache, aber er selbst erschließt sich seinen Zugang. Das ist eigentlich die Besonderheit dieser Einführung in Leben, Werk und Wirkung Barths, dass Michael Weinrich dem Leser zutraut, sich mit dieser Theologie vertraut zu machen. Es ist ein Buch für Theologinnen und Theologen –aber ganz und gar im Sinne Karl Barths, der einmal in einem Vortrag gesagt hat: „Die Theologie ist eine Sache der Kirche. Es geht nicht gut ohne Pfarrer und Professoren. Aber das ist das Problem der Theologie: die Reinheit des kirchlichen Dienstes ist der ganzen Kirche gestellt. Es gibt in der Kirche grundsätzlich keine Nicht-Theologen. Der Begriff ‚Laien‘ vollends ist einer der schlechtesten Begriffe der religiösen Sprache, ein Begriff, der aus der christlichen Sprache ganz einfach verschwinden sollte. Also: die Nicht-Professoren und Nicht-Pfarrer sind mitverantwortlich dafür, dass die Theologie ihrer Professoren und Pfarrer keine schlechte, sondern eine gute sei. “Karl Barth hat in seinem vorletzten Lebensjahr einmal einem Theologen dafür gedankt, dass und wie er sich einem zentralen Anliegen seiner Theologie publizistisch zugewendet hatte. Was Barth bei diesem Theologen gelesen hatte und ihm dann antwortete, kann und muss ja auch für all die nach seinem Tod erfolgten Publikationen als Herausforderung gelten, wenn sie denn wirklich zur Theologie Karl Barths Aussagen treffen wollen. Barth schrieb damals: „Mir gestatten Sie einfach den Dank dafür, dass Sie sich die Mühe genommen haben, dem Geländer meiner Wege und Werke entlang die Wahrheit in dieser Sache so leuchtend an den Tag zu bringen.“ Der Bescheidenheit Karl Barths entspricht die durch das Buch hervortretende theologische Haltung des Autors.”

Prof. Dr. theol. Reiner Marquard
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, 20. Juni 2019

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