50 Jahre danach sind die Medien voll davon: was haben uns die Studentenrevolten von ’68 eingebracht?

Rein gar nichts, meinen die einen, andere sprechen von reiner Selbstdarstellung, die 68er hätten sich zur Mega-Marke gemacht mit ihren Rebellen, Hippies und Weltverbesserern. Das können wir hier bei utb nicht neutral beurteilen. Weil: wir sind ein bisschen voreingenommen. Schließlich haben die Studenten 1968 sehr wichtige Fragen gestellt und damit einen nicht ganz unwichtigen Teil zur Gründung der utb beigetragen.

Wissenschaftlicher Taschenbuchverlag

Einer der Gründer, Wulf D. von Lucius erzählt in einem Interview 2004*: „Es war ja die Zeit nach ’68 […], wo nun die Studenten alles anders wollten, wo plötzlich kritische Fragestellungen waren, auch: Warum ist wissenschaftliche Literatur so teuer?

Die Studentenbewegung der 68er führte zu vermehrter Nachfrage nach preiswerter wissenschaftlicher Literatur, was nicht zuletzt im verstärkten Auftreten von Raubdrucken seinen Niederschlag fand. Und die Verlage mussten reagieren: „Wir haben zur Kenntnis nehmen müssen, dass die wesentlichen Lehrbücher für Studenten künftig in Taschenbuchform erscheinen“ erzählt Roland Ulmer, Gründer der utb, 2004*.

Zusammen mit Wulf D. von Lucius, damals Verleger des G. Fischer Verlags, entwickelte Roland Ulmer ein Modell zu einem gemeinsamen Taschenbuch-„Verlag“. Die Grundgedanken waren, alle Fachbereiche abzudecken, Grundlagenliteratur fürs Studium zu schaffen und das hoch spezialisierte Verlags-Know-how der teilnehmenden Gesellschafterverlage für die gemeinsame Reihe zu nutzen.

Roland Ulmer berichtet 2004 im Gespräch, welche Verlage für ein solches Modell in Frage kamen: „Wir sind auf der Buchmesse hausieren gegangen und haben unsere Kollegen gefragt, die wir für geeignet hielten. Es mussten wissenschaftliche Verlage sein, es sollten unterschiedliche Fachgebiete vertreten sein, es mussten mittelständische Unternehmen sein, inhabergeführte Verlage.“*

Und wie kam es zu dem „berühmten“ roten Buchumschlag?

Wulf D. von Lucius bezeichnet die Wahl des roten Buchumschlags im Interview 2004 als „das größte Wunder meiner ganzen Verleger-Laufbahn, wie dreizehn Verleger um den Tisch standen und da lagen die verschiedenen Entwürfe. Und nach drei Minuten hatten sich dreizehn Verleger für einen Entwurf entschieden. Das klingt wie gelogen. Und das waren dann die roten Umschläge, die ja damals sehr kess waren und nicht im Stil der Häuser. War natürlich vielleicht ganz pfiffig, so kurz nach ’68 knallrote Bücher zu machen. Ich weiß nicht, warum der [Grafiker] Krugmann die Farbe genommen hat. Wir haben alle gesagt, das gibt einen optischen Erinnerungswert.“*

Und das waren dann die utbs, die kleinen roten Bücher. Wir sind froh, dass es auch heute noch Bedarf an preiswerter Studienliteratur gibt. Und wir machen sie gern, diese kleinen (und großen) roten Bücher.

Mehr lesen

*alle Zitate aus: Heike Schmidt, Die Vertriebskooperation als Möglichkeit für wissenschaftliche Verlage – Am Beispiel UTB FÜR WISSENSCHAFT (Magisterarbeit an der Universität Mainz), 2004

 

#commentform .comment-form-url { display: none; }