Falsche Beweiswürdigung ist die Hauptursache von Justizirrtümern, auch Lügen im Verfahren führen oft zu Fehlurteilen. Dennoch bereitet die Jura-Ausbildung nicht auf diese Kernthemen vor.

Zum Buch Beweisführung und Lügenerkennung vor Gericht hat Prof. Dr. Ralf Eschelbach, Richter am Bundesgerichtshof, ein Vorwort verfasst, das Aufbau, Inhalt und Nutzen des Buches erklärt.

Studenten lernen Rechtsfälle, d.h. Rechtsprobleme zu lösen. Referendare erhalten einen Einblick in die prozessuale Praxis. Forensisch tätige Juristen wissen, dass es weniger auf Rechtskenntnisse ankommt, sondern mehr auf die Feststellung von Tatsachen vor Gericht.

Die für ein Urteil zugrunde zu legenden Tatsachen werden letztverbindlich vom Gericht festgestellt. Welches Beweismittel (z.B. Zeuge, Urkunde, Sachverständiger) durch welches Verfahren vom Gericht berücksichtigt werden darf, ist in den Verfahrensgesetzen geregelt. Kaum geregelt und sogar weitgehend frei von Regeln ist der Richter berechtigt und verpflichtet an Hand der vorgelegten Beweismittel die „prozessuale Wahrheit“, d.h. den Sachverhalt, von dem das Gericht ausgeht, zu ermitteln.

Erst an Hand dieses so festgestellten Sachverhalts, der freilich auch in der Feststellung einer Nicht-Aufklärbarkeit des wirklichen historischen Sachverhalts liegen kann, schließt sich die rechtliche Würdigung an.

Das Werk klärt über falsche, aber weit verbreitete Mythen auf. Wenn z.B. angenommen wird, dass die Nichtbeanstandung eines Urteils durch den BGH bedeute, dass der festgestellte Sachverhalt auch materiell richtig sei, ist das falsch. Neben der Aufklärung über entsprechende Mythen erfolgt eine Einführung in die allg. Beweislehre und vor allem eine Aufklärung über die Möglichkeiten und Schwierigkeiten der Beurteilung einer Zeugenaussage. In dem Buch wird festgehalten, dass es keine Möglichkeit gibt, die Feststellung der Wahrheit zu garantieren, sondern alle denkbaren Möglichkeiten (z.B. Aussageanalyse, Lügendetektor) erhebliche Fehlerpotentiale in sich tragen. Die Verurteilung einer Person (nur) aufgrund der Aussage einer anderen Person kann daher nur auf einer „schwankenden Brücke“ erfolgen. Die genaue Anzahl an Zeugenlügen oder Fehlurteilen ist naturgemäß unbekannt, aber von jeher ein Problem der Praxis. Geschuldet wird eine größtmögliche Annäherung an die Wahrheit, für die das Buch wiederum ein Hilfsmittel ist. Vor allem werden die scheinbar vergessenen Praxisbeobachtungen zu Lügen- bzw. Fantasiesignalen wieder aufgegriffen, deren Wert von der aussagepsychologischen Wissenschaft verneint wird, aber gleichwohl als Praxisbeobachtung von früheren OLG- bzw. BGH-Richtern (Bender/Nack) Beachtung finden sollte.

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