4 Fragen in der Corona-Krise an Prof. Dr. Kerstin Heuwinkel, Autorin des Buches „Tourismussoziologie“. Das Interview fand im April dieses Jahres statt.

UVK: Wie verändert eigentlich die Corona-Krise ihren persönlichen Arbeitsalltag?

Eigentlich stand in diesem Sommersemester mit Beginn am 1. April ein Forschungssemester in Kapstadt an. Es ging thematisch um „Female Empowerment in Tourism“. Aufgrund der Reisebeschränkungen musste ich dieses Vorhaben verschieben und werde ab nächster Woche Vorlesungen anbieten – allerdings online via Moodle und Microsoft Teams. Dementsprechend viel Zeit verbringe ich aktuell damit, meine Skripte zu erweitern und zu vertonen. Hinzu kommt, dass es momentan die Trennung zwischen Beruf und Familie nicht gibt, da die Kinder keine Schule haben und zuhause betreut werden müssen.

UVK: Was ist aus Ihrer soziologischen Perspektive die gravierendste Veränderung auf den Tourismus durch das Virus?

Kurz- und mittelfristig gesehen wird vielen Menschen bewusst werden, wie tief verwoben das Reisen mit ihrem Leben ist. Die Selbstverständlichkeit, mit der wir über Jahrzehnte gereist sind, ist verschwunden und wir werden uns über jeden Ausflug freuen. Viele Unternehmen werden die Krise nicht überstehen. Langfristig bleibt abzuwarten, ob die beschriebene Wertschätzung auch dazu führt, dass im Tourismus tätige Personen stärker geschätzt werden. Wichtig wäre es, bereits jetzt an veränderten Angeboten und Strukturen zu arbeiten.

UVK: Kann man bereits jetzt erahnen, in welche Richtung sich der Tourismus durch die Pandemie dauerhaft verändern wird?

Das ist kaum zu beantworten, da diese weltumfassende Krise einmalig ist. Bisher hat sich der Tourismus jedoch von allen Krisen erholt.

UVK: Gehen Sie in Ihrem Buch „Tourismussoziologie“, auch wenn Sie es vor dem Ausbruch der Corona-Infektion geschrieben haben, auf Aspekte ein, die für die aktuelle Situation nützlich sind?

Ja. In Kapitel 4.1 gehe ich auf Bedrohungen ein. Die Aussagen können übernommen werden. Ich beziehe mich darauf, wie Menschen auf Krisen reagieren und wie Tourismus als System reagiert.

 
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