4 aktuelle Fragen in der Corona-Krise an Prof. Dr. Rolf J. Daxhammer, Autor des Buches „Behavioral Finance“.

UVK: Wie verändert eigentlich die Corona-Krise ihren persönlichen Arbeitsalltag?

Rolf Daxhammer: Am 16.03.2020 war bei uns der Vorlesungsbetrieb bereits voll im Gange. Insofern versuchen wir jetzt über unterschiedliche remote-learning-tools die Studierenden inhaltlich zu versorgen. Darüber hinaus laufen die Betreuungen von Abschlussarbeiten, Hausarbeiten, usw. über online-meeting-tools.

Außerdem betreuen wir sehr intensiv unsere Studierenden an den Partnerhochschulen weltweit, die ebenfalls durchgängig auf Krisenmodus geschaltet haben.

Insofern hat sich für uns die Arbeitsintensität schlagartig bis an die Grenze des Machbaren erhöht.

UVK: Was ist die gravierendste Veränderung für Finance hinsichtlich der Verhaltensweisen der Akteure durch das Virus und die daraus resultierenden Einschränkungen?

Rolf Daxhammer: Die Finanzmärkte sind ein Spiegelbild der zukünftigen realwirtschaftlichen Entwicklungen. Insofern spiegelt sich dort die gleiche Unsicherheit, wie in fast allen anderen Bereichen des Lebens.

Im Augenblick ist es bei aller Volatilität aus meiner Sicht bemerkenswert, dass Finanzmärkte im Großen und Ganzen noch reibungslos funktionieren. Das Zusammenspiel von Information und Emotion verläuft immer noch in nachvollziehbaren, geregelten Bahnen.

UVK: Kann man bereits jetzt erahnen, in welche Richtung sich der Behavioral Finance durch die Pandemie dauerhaft verändern wird?

Rolf Daxhammer: Ich denke, dass das Zusammenspiel von Informationsverarbeitung und Umgang mit Emotionen, das kennzeichnend ist für Finanzmärkte, nach der Krise noch mehr in den Vordergrund rücken wird. Ich erwarte insofern, dass die Behavioral Finance, die sich ja zentral mit diesen verhaltenswissenschaftlichen Phänomen beschäftigt, noch mehr in den Kernbereich der Finanzmarktanalyse vordringen wird.

UVK: Gehen Sie in Ihrem Buch „Behavioral Finance“, auch wenn Sie es vor dem Corona-Ausbruch geschrieben haben, auf Aspekte ein, die für die aktuelle Situation nützlich sind?

Rolf Daxhammer: Gerade die Kapitel, die sich mit Herdenverhalten und Spekulationsblasen beschäftigen, liefern an vielen Stellen eine Blaupause für die Interpretation der Kursverläufe von Wertpapieren in dieser Krisenphase.

Quelle: uvk, M. Pantel

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