Der utb-Autor Ulrich Körtner sprach mit Robert Czepel von science.ORF.at über die Aufregung über die weltweit ersten genveränderten Babys. Kürzlich wurde bekannt, dass in China die ersten gentechnisch modifizierten Babys auf die Welt gekommen sein sollen. Mit Hilfe der Genschere Crispr/Cas9 soll ein chinesischer Forscher das Erbgut von Zwillingen, erzeugt durch künstliche Befruchtung, verändert haben.  Ein Tabubruch, der nicht nur Fachkollegen weltweit entsetzt. Auch der Bioethiker Ulrich Körtner meldet sich zu Wort.

Ulrich Körtner hält diese Experimente ethisch für höchst bedenklich. Einerseits sei CRISPR/Cas9 noch nicht genügend erforscht und, andererseits sei noch zu wenig über die Wechselwirkung einzelner Gene bekannt. Forscher aus aller Welt würden darüber diskutieren, wie lange man warten sollte, um die Technik in eingeschränktem Maße am Menschen zu erproben. Es sei ein fatales Signal, wenn nun einzelne Forschungsteams vorpreschen würden. Solche Fragen sollten auf globaler Ebene diskutiert werden.

Die rechtliche Lage ist schwierig, selbst in Europa ist die Frage zum Eingriff in das menschliche Erbgut unterschiedlich geregelt. Ulrich Körtner hält es für erforderlich, dass es zumindest auf EU-Ebene zu einer einheitlichen Regelung kommt. Die Universität in Shenzhen hat mitgeteilt nichts von den Versuchen gewusst zu haben. Sollte die Universität wirklich nicht zu den Vorgängen informiert worden sein, so Körtner, könne die Forschergruppe die Ergebnisse auch nicht in den gängigen Fachzeitschriften publizieren. Publikationen sind die Karriereleitern für Forscher. Heutzutage lassen die Zeitschriften die eingereichten Manuskripte fachlich prüfen und bei Versuchen an Menschen oder Tieren wird abgefragt, ob die zuständige Ethikkommission informiert wurde. Sollte die Universität in Shenzhen keinerlei Kenntnisse gehabt haben, wird eine Publikation nicht möglich sein.

Quelle: Robert Czepel, science.ORF.at

>>  Ulrich Körtner bei utb

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