Unser Autor Philipp Mayer ist in der Schreibberatung tätig und Experte, wenn es um das wissenschaftliche Schreiben geht. In unserem Interview verrät er seine 5 Top-Tipps fürs Schreiben und zählt die häufigsten Fehler auf, die einem beim Schreiben passieren können.

1. Was das Besondere an Ihrem Studienratgeber ist, merkt jeder der ihn aufschlägt: Bei Ihnen liest man keine langen Texte, sondern kurze und einprägsame Tipps. Wie kamen Sie auf die ungewöhnliche Idee mit den 300 Tipps fürs wissenschaftliche Schreiben?

Wenn ich in Schreibtrainings dicke Lehrbücher über das wissenschaftliche Schreiben empfehle, winken viele Teilnehmenden ab: keine Zeit und keine Lust. Weil Studierende sich in ihren Studiengängen extrem viel Wissen aneignen müssen, verstehe ich, dass sie nicht auch noch über das Schreiben lange Texte lesen möchten.
Für meine Webseite habe ich irgendwann angefangen, jede Woche einen Tipp zu formulieren. Das Buch ist also so entstanden, wie ich es in meinen Schreibtrainings predige: in kurzen, regelmäßigen Schreibeinsätzen zum Ziel.

Dazu kommt, dass mir das Verdichten von Information, das Finden und Darstellen der Essenz, wichtig ist. Das Buch soll auch ein Beispiel sein für prägnante Kommunikation.

2. Reichen kurze Tipps überhaupt aus? Benötigt man nicht ausführlichere Texte um dieses komplexe Thema angemessen abzuhandeln?

Mit den 300 Tipps gebe ich Anstöße, setze Impulse, eröffne Möglichkeiten. Ich biete ein Büffet und sage: Nehmt, was euch anspricht, was ihr jetzt braucht, was euch weiterbringt. Die Leute können ja alle schreiben und nach meinen Erfahrungen brauchen sie vor allem Ermutigung und Motivation. Wenn ein paar meiner Tipps passen und motivieren, dann erfüllt das Buch seine Funktion.
Um das Thema „wissenschaftliches Schreiben“ umfassend abzuhandeln, braucht es längere Texte. Da habe ich keine Zweifel. Aber bei Studierenden, die vor der praktischen Aufgabe des (Weiter-)Schreibens stehen, die Schwierigkeiten oder eine Motivationskrise haben, sollte möglichst schnell die Handlungsfähigkeit hergestellt werden. An diese Menschen richten sich die Tipps.

3. Welche 5 Tipps würden Sie unseren Lesern besonders ans Herz legen?

Hier sind meine 5 Top-Tipps.

eines nach dem anderen

Nehmen Sie sich beim Schreiben nicht zu viel auf einmal vor. Wer zuerst Ideen sammelt, dann die Struktur plant, dann die Rohfassung schreibt und schließlich den Text überarbeitet, der kommt schneller voran.

erst strukturieren, dann schreiben

Planen Sie die Gliederungselemente Ihres Textes vom Groben zum Feinen und bis ins Detail (Hauptüberschriften, Teilüberschriften, Kernaussagen der einzelnen Absätze). Beim Schreiben können Sie dann die einzelnen Gliederungselemente nach und nach auffüllen.

quick and dirty

Manche schreiben die Rohfassung mit perfektionistischer Akribie. Gehören Sie dazu, dann arbeiten Sie beim Entwurf einmal „quick and dirty“. Das kostet wenig Zeit und nach einer gründlichen Überarbeitung werden Sie über den entstandenen Text staunen.

Nehmen Sie sich Zeit für die Überarbeitung!

Gute Texte erfordern intensives Überarbeiten. Planen Sie dafür genug Zeit ein.

kurz, präzise, logisch, einfach

Achten Sie beim wissenschaftlichen Schreiben auf Kürze, Präzision, Logik und Einfachheit. Geizen Sie mit Wörtern, schreiben Sie genau das, was Sie meinen, entwickeln Sie folgerichtige Schlüsse und vermeiden Sie komplizierte Erläuterungen.

4. Was sind aus Ihrer Sicht die häufigsten Fehler beim Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit?

Manche begehen beim wissenschaftlichen Schreiben den Fehler, sich einschüchtern zu lassen. Sie zweifeln an ihrem Denken, ihrem Wissen und ihrem Können. Sie fürchten, etwas falsch zu machen. Das blockiert und sie kommen nicht vom Fleck.

Das andere Extrem sind Menschen, die locker schreiben und schnell mit ihrem Textprodukt zufrieden sind. Sie machen den Fehler, Regeln, Konventionen, Qualitätsanforderungen zu ignorieren. Beim wissenschaftlichen Schreiben gilt es, viele Regeln zu beachten. Denken Sie beispielsweise an das korrekte Zitieren.

Häufige Fehler sind also, in Extreme zu fallen. Wissenschaftliches Schreiben erfordert den Mittelweg, die Balance zwischen dem Vertrauen auf den eigenen Fähigkeiten und dem konsequenten Einhalten von Regeln.

5. Sie sind unter anderem in der Schreibberatung tätig. Wann ist der richtige Zeitpunkt Hilfe beim Schreiben zu suchen?

Schreibberatung funktioniert wie die Beratung im Fitnessstudio. Eine Trainerin oder ein Trainer hilft durch Anleitung, Erklärung, Motivation, persönliche Ziele schneller zu erreichen. Arbeiten muss man dann aber selbst. Wie im Fitnessstudio macht es bei größeren Schreibprojekten Sinn, am Anfang eine Beratung in Anspruch zu nehmen. Wichtig ist, vorher sein Ziel zu definieren.

Im Verlauf der Arbeit am Text helfen Beratungsgespräche, wenn es an Motivation fehlt, wenn offene Fragen zum Schreibprozess oder zur Textqualität lähmen. Es lohnt sich, die vielfältigen Angebote zur Schreibberatung zu erkunden. Es gibt Schreibzentren an Hochschulen und es gibt selbständige Schreibberaterinnen und -berater. Wer clever ist, profitiert von diesen Angeboten, zu welchem Zeitpunkt auch immer.

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