Obwohl Filme bei Schülern besonders beliebt sind, gehören sie zu den Medien, die nur selten im Unterricht verwendet werden. Warum man ihr Potential für den Englischunterricht ausschöpfen sollte, darüber sprachen wir mit Engelbert Thaler, Professor für die Didaktik des Englischen an der Universität Augsburg.

  1. Warum sollten Filme Gegenstand des Fremdsprachenunterrichts sein?

„If it moves, they will watch it“ (Andy Warhol): Filme sind populär und attraktiv, sie sind authentisches Material und von hoher subjektiver Bedeutung für unsere Heranwachsenden, und mit ihnen lassen sich alle Kompetenzen der Bildungsstandards und Lehrpläne fördern.

  1. Nach welchen Kriterien sollten die Filme für den Unterricht ausgewählt werden?

Bei der Auswahl eines Films kann man sich an dem Kriterien-Dekalog orientieren: Genre, sprachliche Komplexität, Klarheit der Artikulation, sprachliche Dichte, methodische Ergiebigkeit, pädagogische Eignung, persönliche Relevanz, Länge, Ton-Bild-Relation und ästhetische Qualität.

  1. Mit welchen Schwierigkeiten muss ich als Lehrer rechnen? Wo liegt das richtige Maß zwischen Amüsement und Arbeit?

Es gibt hier mindestens vier Herausforderungen: erstens den Zeit-Konflikt (langer Film vs. kurze Unterrichtsstunde), zweitens den Kommunikations-Konflikt (hohes Sprachniveau des Films vs. beschränktes Verstehensniveau der Lernenden), drittens den Technologie-Konflikt (moderne Technologie vs. sparsame Ausstattung der Schule) und viertens den Ziel-Konflikt (Lernwert vs. Unterhaltungswert). Lehrkräfte sollten eine Balance zwischen Lernen und Lust anstreben, ein Gleichgewicht zwischen Spracharbeit und Spannung. Deshalb sollte die Verwendung der Pause-Taste nicht übertrieben und eine Szene nicht zu häufig wiederholt werden sowie Wortschatz- und Grammatikarbeit dosiert erfolgen.

  1. Ist der Lerneffekt besser, wenn man bei englischsprachigen Filmen auf die Untertitel verzichtet?

Es gibt auch noch einen fünften Konflikt, den sog. Rezeptions-Konflikt zwischen auditivem und visuellem Kanal. „The eye is more powerful than the ear“, meint Jane Sherman und verweist darauf, dass bei gleichzeitiger Präsentation von Schrift und Ton die Schüler sich auf die Untertitel konzentrieren. Damit wird das Leseverstehen gefördert, aber nicht das Hör(-Seh-)verstehen. Allerdings erleichtern subtitles auch das Verständnis. Ein balancierter Ansatz vertraut auf die Dosierung der Untertitel, z.B. durch sukzessive Zurücknahme nach anfänglichem „tuning in“.

  1. Was muss bei der Vor- und Nachbereitung von Filmen im Unterricht besonders beachtet werden?

Zunächst sollte man nicht der Bonbon-Didaktik frönen und Filme lediglich als Lückenfüller vor den Ferien präsentieren. Eine klare Strukturierung der Unterrichtssequenz erhöht die Effektivität. Für die drei Phasen (pre – while – post) stehen inzwischen eine Vielzahl von Aktivitäten zur Verfügung. Abhängig vom jeweiligen Film und den angestrebten Kompetenzen können eher geschlossene Übungen oder offene Aufgaben zum Einsatz kommen. Balanced Teaching hilft auch hier.

  1. Gibt es einen Film oder eine Fernsehserie, die Sie Sprachanfängern empfehlen können?

Inzwischen gibt es auch für die ersten Lernjahre viele Gewinn bringende Kurzfilme, die sprachlich nicht allzu anspruchsvoll sind. Die einzelnen Verlage bieten hier teils ein umfangreiches Programm an. Auch silent short films, die (weitgehend) ohne verbalen Input auskommen, können sprachproduktiver Arbeit dienen, z.B. Mr Bean.

  1. Teaching English with Films ist ein rein in englischer Sprache verfasstes Lehrbuch. Warum haben Sie sich dazu entschieden?

Einsprachigkeit ist ein wesentliches Prinzip des Fremdsprachenunterrichts. Ein in englischer Sprache verfasstes Lehrbuch unterstützt Lehrkräfte und Universitätsdozierende dabei, ihren Unterricht in der Fremdsprache zu führen.

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Dozentenbewertung von M. Müller 15.06.2016    ★★★★★

Das Buch ist sowohl für Einsteiger als auch für Fortgeschrittene bestens geeignet. Besonders positiv hervorzuheben ist der sinnvolle didaktische Aufbau, der zunächst die theoretischen Grundlagen vorstellt und anschließend diese Theorie mit konkreten praktischen Beispielen verbindet. Die vorgeschlagenen „Tasks“ mit anschließenden „Suggested Answers“ ermöglichen es den Studierenden, sich intensiv mit den einzelnen Themen auseinanderzusetzen und erste (zumindest theoretische) Erfahrungen mit Praxisbeispielen kennen zu lernen. Die oft tabellarische Darstellung von Faktenwissen ist sehr sinnvoll, ästhetisch in meinen Augen aber nicht ansprechend.

Insgesamt bin ich sehr froh um Engelbert Thalers Arbeit und hoffe, dass viele Studierende dieses Buch sowohl für das erfolgreiche Abschließen des Studiums verwenden als auch als sinnvolle Vorbereitung für den späteren Lehrerberuf verstehen.


Kundenbewertung von Lisa Mühlberg 12.11.2014     ★★★★★

Das Buch beschäftigt sich nicht nur damit, wie man klassisch Filme im Englischunterricht nutzen kann, sondern greift auch andere Formate wie Musikvideos, Sitcoms oder Werbung auf.
Zu jeder Kategorie gibt es eine theoretische Einführung, die es ermöglicht die Formate auch ohne vorheriges Wissen im Unterricht zu nutzen. Zudem gibt es Beispiel lessons plans, pre-, while- und post-viewing tasks, die es auch Unerfahrenen leicht macht in das Thema einzusteigen.
Bemerkenswert finde ich die Aktualität der Beispiele. Zum Thema sitcoms wurde beispielsweise eine Episode der Serie „How I met your mother“ gewählt, für Film Adaptionen „Die Tribute von Panem“. Aber auch Klassiker wie „Der Club der toten Dichter“ oder „Hamlet“ finden Raum in den Ausführungen des Autors.
Verschiedene Methoden, um einen ganzen Film zu behandeln erweitern das Methodenrepertoire im Klassenzimmer. Listen über Musikvideos zu verschiedenen Themen und aus verschiedenen Jahrzehnten erleichtern die Suche nach geeignetem Unterrichtsmaterial.
Insgesamt ein sehr empfehlenswertes Buch (komplett in Englisch verfasst), das ich sicher mehr als einmal für die Unterrichtsvorbereitung verwenden werde.

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