Unser neues Studiertier-Interview ist online. Saskia spricht mit dem Studiertier über ihre Träume, ihr Weltenbummler-Ich und welche abenteuerlichen Geschichten man in einem Wohnheim erlebt.

© utb

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Unser Studiertier Christina ist 22 Jahre alt und studiert Buchwissenschaft und Ökonomie an der Universität Erlangen-Nürnberg. Bei utb absolviert Christina ihr 3-monatiges Verlagspraktikum im Bereich Marketing.

„Studiertier fragt“ ist also eine Aktion von Studenten für Studenten. Die Fragen, die Christina stellt, stammen nicht nur von ihr selbst, sondern auch von Freunden und Kommilitonen. Damit die Interviews immer interessant und abwechslungsreich sind – und es auch in Zukunft bleiben.

Wenn du Fragen an Christina hast oder selbst vom Studiertier ausgequetscht werden möchtest, schreibe einfach eine Mail an volontariat(at)utb.de

Saskia ist 24 und studiert Literaturstudien – intermedial und interkulturell im Master in Erlangen. Studiertier hat sie sich geschnappt und fragt…

1. Dein Traum ist es eigentlich ein Café zu eröffnen. Wieso bist du dann in einem geisteswissenschaftlichen Studium gelandet?

Stell dir vor, du sitzt bequem mit Freunden bei einem leckeren Heißgetränk deiner Wahl und fühlst dich einfach nur genau richtig. Als wärst du zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ein unglaublich schöner Gedanke, nicht wahr? Genau so erträume ich mir mein Café – Zuhause und Komfortzone, voller Leben, Lachen und Gemütlichkeit. Der Traum ist bestimmt viel zu idealistisch und ignoriert gekonnt den Arbeitsaufwand, der hinter so einem Café steckt. Bisher ist es eben nur ein Traum. Dennoch habe ich nicht das Gefühl meine Weltenbummler-Schuhe abstreifen zu können… Wenn das Café erstmal Realität wird, dann habe ich einen Ort gefunden, an dem ich bleiben will und zwar nicht nur für ein halbes Jahr. Dieser richtige Ort muss mich jedoch erst noch finden, also habe ich genug Zeit um aktiv abwarten. 🙂

Bei meinem geisteswissenschaftlichen Studium hat dieses „Gefunden werden“ zumindest wunderbar funktioniert. In der Schule war mein Lieblingsfach Philosophie und als das Abitur geschrieben war, stellte ich fest, dass ich mit dem Fach noch nicht fertig bin. Diskutieren, nachdenken, der ewige Perspektivenwechsel und das in Frage stellen aller Wahrscheinlichkeiten macht einfach zu viel Spaß. Die Wahl zur Buchwissenschaft kam in Form eines Flyers in meine Hand geflattert. Als ich das erste Mal von diesem Fach hörte, war ich nicht sonderlich begeistert. Was sollte ich denn bitte damit am Ende anfangen? Aber während meiner Zeit als Au Pair hatte sich meine Einstellung zum Studium verändert. Ich suchte nicht mehr nach einer Ausbildung, die mir einen Job garantierte oder die mir ein Ziel vorgibt, sondern nach etwas das mich interessiert und im besten Fall begeistert. Also nicht nach etwas mit dem ich „am Ende was anfangen kann“, sondern „währenddessen“. Kurz: etwas, das ich studieren möchte. Das Schöne an diesem Studium ist, dass ich immer weitere interessante Möglichkeiten entdecken kann, beispielsweise die Arbeit im Verlag, und trotzdem weiter von meinem Café träumen kann. Vielleicht sitze ich ja irgendwann nach unendlich vielen Umwegen an der Theke meines Cafés und werde eine Menge zu erzählen haben. Immer weiter unterwegs zwischen dem jetzigen Herzschlag und dem letzten.

2. Eine Zeit lang warst du in London, eine Zeit lang in Island. Was genau hast du dort gemacht ? Und warum hast du dich ausgerechnet für diese zwei Orte entschieden?

In London war ich als AuPair direkt nach dem Abi. Während meiner Zeit dort war ich das „Mädchen für alles“: Kinder hüten, Haus putzen, kochen oder einkaufen gehen – alles was in einem Haushalt mit 3-jährigen Zwillingen so anfällt, war meine Aufgabe. Meine Freizeit nutzte ich, um das Land und die Kultur kennen zu lernen und um mein Englisch aufzubessern. Leider habe ich meinen Britischen Akzent schon lange wieder eingebüßt… meine Anglophilie ist aber nur noch größer geworden. Nach Island ging es dann als Auslandsjahr während des BA-Studiums. Als Buchwissenschaftlerin ist Bibliophilie völlig normal und nicht heilbar. Daher hatte ein Seminar an der Universität Island die Macht mich auf die ferne Insel zu locken. Wo sonst darf man während dem Studium mit Original-Handschriften aus dem Mittelalter arbeiten? Es ist wirklich ein besonderes Gefühl, wenn man die feinen Härchen oder die mit Kalk bearbeitete Tierhaut auf den Fingerspitzen fühlt und die trockene Tinte der Buchstaben auf dem schon leicht gewellten Pergament nachfährt. Auch die Philosophiekurse dort waren flótt. Allgemein war es eine andere Art zu lernen, viel intensiver und mehr auf die Vorlesungszeit konzentriert. Wenn ich dann nicht an der Uni war, habe ich mit der ESN und meinen WG-Mitbewohnern Land, Kultur und Eigenarten Islands erkundet und recht schnell lieben gelernt. Denn am Ende gilt ja doch: Þetta reddast! (sinngemäß etwa: „Es wird sich von selbst irgendwie fügen“)

3. Würdest du jedem ein Auslandssemester empfehlen?

Já! Auch wenn es nicht immer einfach ist, sich in einer anderen Kultur zurecht zu finden, ist es doch eine sehr schöne Erfahrung, die ich nicht missen möchte. In meinen Gedanken spaziere ich nach wie vor gerne an der Themse entlang oder entspanne mich beim Afternoon Tea. Manchmal vermisse ich die Weite der isländischen Landschaft und der selbstverständliche Respekt vor der Natur und allem was dort draußen noch sein könnte.

4. Den Kühlschrank mit 4 Personen teilen, auf engstem Raum mit knapp 50 Menschen zusammen leben, ein Gemeinschaftsbad und kaum Privatsphäre… Das Leben in einem Wohnheim ist abenteuerlich. Was hast du in deiner Zeit im Wohnheim gelernt und was ist dein lustigstes Wohnheim-Erlebnis?

Oh ja, das klingt nach Wohnheim! Je nach Wohnheim kann das Leben dort lehrreich oder gar nervig oder unglaublich spaßig sein. Ein richtiges Abenteuer mit Prüfungen, die es zu bestehen gilt und Gefahren, die an jeder Ecke lauern, wie nervige Mitbewohner, strenge HeimleiterInnen, Lärm zu jeder Tages- und Nachtzeit oder undefinierbare Substanzen in der Küche. Aber wer sich all diesen Monstern stellt, findet vielleicht den größten Piratenschatz aller Zeiten: Liebe, Freundschaft und Harmonie. 🙂

Daher waren die unterschiedlichen Wohnheime und auch meine Island-WG ein guter Ort, um soziale Kompetenz, Gelassenheit und Kompromissbereitschaft zu lernen. Auch kann ein Wohnheim eine Fundgrube für praktisches Wissen sein. Von tollen Rezepten, über Trainingseinheiten der unterschiedlichsten Sportarten, dem Meistern des Essens mit Händen, Stäbchen oder sonstigen Utensilien bis hin zum Basteln und Dekorieren des gesamten Wohnheims mit quasi nichts. In meinem jetzigen Wohnheim in Erlangen fühle ich mich unglaublich wohl und alles in allem ist fast jede Aktion dort recht witzig. So feiern wir ausgelassen Sankt Martin, den letzten Platz im Volleyball-Turnier und das dazugehörige Gurkenglas, erleben Wasserschlachten mit Gießkannen oder Wasserbomben, spielen Volleyball im Garten, Fußball auf der Wiese und genießen ein Leben in der Sonne mit Kaffee auf dem blauen Sofa liegend. 🙂 Die lustigste Geschichte ist dabei gar nicht so einfach herauszusuchen. Es gibt viele Momente, die ich hoffentlich für immer im Kopf und im Herzen behalten werde, zum Beispiel, wie wir die Toastologie gegründet haben und Toast sich uns als allgemeines Zeichen der Harmonie und Versöhnung offenbart hat, oder die endlosen Bastelstunden und Tischtennisturniere bis 4 Uhr morgens, Spieleabende, bei denen „niemand ins Bett geht, außer er ist tot“ (wichtigste Regel für Risiko und Werwolf) oder Filmabende mit Pumuckl, nur ein winziges Schlückchen Feuerzangenbowle oder Glühwein mit Whisky oder die ganzen kreativen Kleinkriege inklusiver neuer Deko für das ganze Haus. Aber wie bei allen Insiderwitzen gilt auch hier: „Man muss wohl dabei gewesen sein“

5. Was sind deine weiteren Pläne? Wirst du dein Café eröffnen? Oder wirst du weiter die Welt bereisen?

Wer weiß das schon? Egal was kommt, ich versuche das Beste daraus zu machen und mir bei allem was kommt Zeit und Luft zum (Er)Leben zu lassen. Der nächste Schritt ist dabei erstmal mein Masterstudium im schönen Erlangen.

 

Saskias Buchtipp:

Habermas leicht gemacht

Bei Hausarbeiten in der Philosophie kann jedes Wort von Bedeutung sein. Durch das Motto „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“ wird ein enger Rahmen abgesteckt, bei dem es leicht auffällt, wenn man die gelesenen Texte nicht so ganz verstanden hat. Da kann eine leicht verdauliche Einführung ein nützliches Werkzeug sein. So zum Beispiel „Habermas leicht gemacht“ von Georg Römpp. In dem Schlüssel zu seinem Denken werden seine Theorien übersichtlich dargestellt und anhand wesentlicher Schwerpunkte zu einem Gesamtbild zusammengefügt. Besonders schön fand ich die Kennzeichnung der Zitate, die das Lesen und Lernen etwas aufgelockert haben. Aber Vorsicht: so ein Lektüreschlüssel ersetzt die Originallektüre nicht.

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