Schweißausbrüche, Nervosität und Denkblockaden: Diese Symptome der Prüfungsangst kennen viele Studierende nur allzu gut. Unser Experte Holger Walther, Dipl. Psychologe und Psychotherapeut beantwortet Fragen unserer Leser zum Thema Prüfungsangst.

Holger Walther ist Autor des utb-Buches Ohne Prüfungsangst studieren .

Ich habe auch Prüfungsangst, in dem Sinne, dass ich mich nicht mal traue an der Prüfung teilzunehmen und mittlerweile haben sich viele Prüfungen angehäuft… Ich traue mich nicht an der Prüfung teilzunehmen, weil ich jedes Mal denke, dass ich nicht genug gelernt habe und keine gute Note bekommen würde. Ich möchte aber eine gute Note bekommen, um einen guten Abschluss zu haben. Was kann ich dagegen tun, dass ich überhaupt die zur Prüfung antrete?

Hallo V.,

erst einmal etwas zu der Tatsache, dass Sie sich nicht einmal trauen, an den Prüfungen teilzunehmen:

das geht vielen so! In meinen Kursen habe ich einige kennengelernt, die sich immer wieder angemeldet haben und dann trotzdem nicht hingegangen sind. Manche nahmen es sogar in Kauf, dass diese Prüfung dann als „durchgefallen“ gewertet werden könnte. Aus Sicht der Psyche macht es aber tatsächlich keinen Unterschied, wann sich die Angst vor dem Versagen zeigt – ob schon beim Lernen vorher, oder beim Anmelden oder erst in der Prüfung. Deshalb gehe ich in meinem Ratgeber auch mit eigenen Kapiteln auf die vier Phasen einer Prüfung ein (die längere Vorbereitungsphase / unmittelbar vor der Prüfung / in der Prüfung / nach der Prüfung). Für Sie wäre sehr wahrscheinlich vor allem der Abschnitt „Die längere Vorbereitungsphase“ wichtig, weil Sie sich ja vorher schon die Sorgen machen und damit die Prüfungsangst auslösen.

Doch die Vermeidung ist erst einmal eine passende Reaktion auf Angst: wenn ich mich vor etwas fürchte, dann ist es doch mehr als natürlich, dass ich mich dem nicht auch noch extra aussetze. Etwa bei Flugangst wäre das nicht ganz so schlimm, weil man dann eben anders an sein Ziel kommt oder auf Fernreisen verzichtet. Das hat ja nicht wirklich schlimme Konsequenzen.

Bei Prüfungen kommt man da aber in die Zwickmühle. Denn Sie müssen ja die Prüfungen machen, um ein Modul abzuschließen. Gleichzeitig hält aber die Angst Sie davon ab. Und dann kriegen Sie auch noch mit, wie die anderen inzwischen eine Prüfung nach der anderen abhaken – nur Sie kommen nicht voran. Das macht zusätzlichen Druck.

Sie sollten an Ihren Einstellungen und Haltungen arbeiten. Diese scheinen der hauptsächliche Auslöser zu sein. So dürfen Sie sich natürlich gute Noten und einen guten Abschluss wünschen. Und Sie tun entsprechend etwas dafür, in dem Sie intensiv lernen. Doch da kommt Ihnen der Zweifel in die Quere: „Was, wenn ich nicht genug gelernt habe? Dann schaffe ich ja keine gute Punktzahl und erst Recht keinen guten Abschluss!!!!“ Dieser Zweifel ist der Startschuss für eine ungünstige Entwicklung. Schon kreisen die Gedanken um all die Dinge, die Sie vielleicht wirklich nicht gut vorbereitet haben. Oder nicht so gut verstanden haben. Oder aus Zeitgründen weglassen mussten. Ungünstiger Weise fällt Ihnen auch etwas ein.

Und dann kommen die pessimistischen Gedanken hinsichtlich der Auswirkungen dazu: schlechte Noten – also schlechter Abschluss – also kein Job und und und.

Eine unterstützende Einstellung und Haltung, bei der Sie die vier Regeln für positive Gedanken von Albert Ellis einhalten, könnte so lauten:

„Ich möchte gern einen guten Abschluss machen. Dazu braucht es gute Noten. Ich werde ausreichend lernen und dann versuchen, mit meinem Wissen in der Prüfung so gut wie möglich zu sein“.

Dieses Motto hat die selben Dinge zum Ziel, die Sie in Ihrer Frage genannt haben. Aber alles ist wohlwollender und eher als Vorhaben formuliert. So eine Formulierung beinhaltet auch, dass es natürlich theoretisch mal schief gehen könnte. Und rein statistisch kann das schließlich der Fall sein. Dieser Ausgang darf nicht ausgeblendet werden, weil die Psyche weiß, dass auch das möglich ist. Meine neue Formulierung bezieht das mit ein.

Noch ein Beispiel dazu:

So setzt man sich in ein Flugzeug durchaus mit dem Respekt, dass es eine Notlandung geben könnte. Daher macht man sich mit den Sicherheitsvorkehrungen für den Notfall (!) vertraut. Ab dann kann ich mich dem schöneren Teil des Fluges widmen (der Millionen Mal häufiger vorkommt) und kann lesen, schlafen, essen. Die Psyche ist beruhigt, weil wir uns kurz dem Notfall gewidmet haben.

Lust auf mehr? Dann lesen Sie in Holger Walthers Buch Ohne Prüfungsangst studieren weiter – hier geht’s zur Leseprobe. Sie haben selbst Fragen? Schreiben Sie uns und Holger Walther wird Ihnen antworten.

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