Schweißausbrüche, Nervosität und Denkblockaden: Diese Symptome der Prüfungsangst kennen viele Studierende nur allzu gut. Unser Experte Holger Walther, Dipl. Psychologe und Psychotherapeut beantwortet Fragen unserer Leser zum Thema Prüfungsangst.

Holger Walther ist Autor des utb-Buches Ohne Prüfungsangst studieren .

Ich studiere nun im ersten Semester und schreibe Anfang Februar meine ersten Klausuren. Da ich nebenbei auch noch arbeite und in der Weihnachtszeit sehr viel Stress habe, habe ich nun schon begonnen mir meine Vorlesungen zusammenzufassen und zu lernen. Leider wird mir seit dem immer mehr bewusst, dass es ja gar nicht mehr so lange hin ist und ich stresse mich derzeit schon wahnsinnig wegen den bevorstehenden Prüfungen. Ich schlafe schlecht, bin jedoch den ganzen Tag müde und ausgelaugt und gleichzeitig sehr aufgewühlt. Mich macht dieser Druck psychisch extrem fertig. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, wie ich das schaffen soll, bis Februar durchzuhalten mit dieser inneren Unruhe. Haben Sie dagegen vielleicht einen Tipp für mich?

Sehr geehrte Frau W.,

erst einmal ist es gut zu hören, dass Sie rechtzeitig mit dem Lernen beginnen, in dem Sie Vorlesungen zusammenfassen. Da hätten Sie nämlich eine der drei Säulen meines „Triadischen Modells gegen Prüfungsangst“ schon erfüllt (bzw. sind noch dabei): die richtige und rechtzeitige Vorbereitung auf Prüfungen ist nämlich ganz wichtig.

Nun haben Sie aber noch Einiges mehr auf Ihrer To-Do-Liste und das stresst! Ihre „Symptome“ sind leider typische Anzeichen von Stress. Und ein Teufelskreis, denn wenn Sie schlecht schlafen, sind Sie am nächsten Tag natürlich nicht fit. Dann schaffen Sie weniger und das wird wieder zum Stress.

Vielleicht erlauben Sie mir diese Frage:

Ist es vielleicht wirklich ein bisschen viel auf einmal? Man kennt ja alles, was mit Uni zu tun hat, als Erstie, noch nicht. Das will ja auch bewältigt und verarbeitet werden. Und dann kommen der Job und die Familie noch dazu. Wenn Sie sich nicht vorstellen können, das alles zu schaffen, dann könnte doch dieses Gefühl richtig sein. Vielleicht ist das alles so nicht zu schaffen? Manchmal kann es richtig sein, etwas aus dem Stundenplan zu streichen und sich dafür den übrig gebliebenen Sachen zu widmen. Denn ganz blöd wäre es doch, wenn Sie zunächst alle Veranstaltungen besuchen und bearbeiten und dann erst kurz vor den Klausuren die eine oder andere Klausur absagen oder verschieben. Günstiger kann es sein, sich weniger Dinge vorzunehmen und diese dann auch bis zum Ende durchzuziehen. So entsteht das zufriedene Gefühl „Was ich mir vornehme, bringe ich auch zu Ende“.

Erlauben Sie sich ruhig einmal darüber nachzudenken, ob etwas weg muss. Das wäre kein Versagen, sondern seriöses Zeitmanagement und ein guter Umgang mit den eigenen Kräften und Ressourcen.

Eine andere Herangehensweise wäre die Veränderung meiner Haltung zu einer Sache. Das könnte in Ihrem Fall so aussehen (und entspricht übrigens der zweiten Säule meines Modells):

Sie lernen ja gerade erst kennen, wie Studieren so funktioniert. Und wie leicht oder schwer die Inhalte Ihres Fachs sind. Also muss man erst mal mitmachen und beobachten, wie der Hase so läuft. Ihre Haltung dazu könnte lauten:

Ich versuche im ersten Semester, alles was ansteht, erst einmal mitzumachen, denn ich würde schon gerne die ausgewählten Veranstaltungen im Frühjahr mit einer Prüfung abschließen. Wenn ich feststelle, dass das aber so auf Dauer nicht geht, dann ziehe ich meine Konsequenzen und verschiebe etwas auf das nächste Semester. Das entscheide ich am besten während der Weihnachtspause (oder natürlich auch später, wenn Sie genügend Eindrücke und Erfahrungen haben).

Wenn der Druck nicht nachlässt, dann wäre es sicher auch gut, die Psychologische Beratung Ihrer Hochschule aufzusuchen und sich weitere Unterstützung zu holen.

Lust auf mehr? Dann lesen Sie in Holger Walthers Buch Ohne Prüfungsangst studieren weiter – hier geht’s zur Leseprobe. Sie haben selbst Fragen? Schreiben Sie uns und Holger Walther wird Ihnen antworten.

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