Komplex und fokussiert schreiben und dabei auf ganz neue Ideen kommen, kann das funktionieren? Ja, mit Schreibdenken!

Während wir einen Text niederschreiben, geht parallel das Denken in unserem Kopf weiter. Wie das Konzept und die Methode des Schreibdenkens funktioniert, welcher Schreibtyp Sie sind und mit welchen Schreibstrategien Sie effektiver im Schreibprozess vorankommen zeigt Ulrike Scheuermann in ihrem Buch
» Schreibdenken
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Ulrike Scheuermann ist Sachbuchautorin, Diplom-Psychologin und Rednerin und gehört zu den profiliertesten Schreibcoachs im deutschsprachigen Raum. Seit über 15 Jahren unterstützt sie Sach- und Fachbuchautoren, Wissenschaftler und andere, die beruflich schreiben, beim Schreiben und Publizieren sowie bei persönlicher Entwicklung und der Fokussierung auf das Wesentliche. Ihre Seminare für WissenschaftlerInnen leitet sie an Hochschulen und in Forschungseinrichtungen.

Im utb-Shop finden Sie zu diesem Titel kostenloses Zusatzmaterial:

Notitzstrategien
Schreibprozess Tipps
Schreibstreckenplaner

Mit den wichtigsten Grundregeln für Schreibdenken erfahren Sie im Folgenden, wie Schreibdenken funktioniert.

Schreibdenken Sie unzensiert und assoziativ

Jeder von uns hat innere, beurteilende Persönlichkeitsanteile in sich, und diese äußern sich als überkritische Stimmen; sie bewerten, sieben aus und verdrängen so manche gute Idee, bevor sie richtig bewusst wird. Schreibdenken Sie deshalb so unzensiert wie möglich und schalten Sie alle Impulse aus, mit denen Sie das gerade Geschriebene bewerten und möglicherweise aussparen wollten. Nehmen Sie jeden Einfall, jedes Wort, das Ihnen in den Kopf kommt, als wertvoll und wichtig entgegen und bringen Sie ihn schreibend aufs Papier oder auf den Bildschirm. Versetzen Sie sich in eine Stimmung, in der Sie Kreativität und alle aufkommenden Assoziationen willkommen heißen.

Schreibdenken Sie privat

Denken Sie immer daran: Niemand außer Ihnen selbst wird jemals Ihre Schreibdenktexte zu lesen bekommen. Einer der größten Schreibhemmer ist das Bewusstsein, dass später eine Leserin oder ein Leser den eigenen Text lesen, bewerten und möglicherweise abwerten könnte. Fällt diese Ausrichtung auf kritische Lesende weg, so können Sie sich voll und ganz auf Ihre Gedankengänge, Ihre innere Sprache und den Prozess der Versprachlichung von neuen Ideen konzentrieren. Privates Schreiben zielt nicht auf perfekte Kommunikation im Sinne effektiven Fremdverstehens. Ich sage mir mitunter vor dem Schreiben: „Diesen Text schreibe ich für die Schublade“, obwohl ich schon ahne, dass es nicht so sein wird. Das scheint ein billiger Trick zu sein, aber er funktioniert.

Schreibdenken Sie schnell

Zwar geht das Denken viel schneller vonstatten, als unsere Hände schreiben können, doch Sie können sich Ihrem Denktempo immer mehr annähern. Zum Beispiel – wenn Sie gerne tippen –, indem Sie das Zehnfinger-Tippsystem erlernen und so nach einigen Wochen Training fortan um ein Vielfaches entspannter, schneller und somit auch freier schreiben. Schnelles Schreiben hat den großen Vorteil, dass Sie damit die Selbstzensur abschwächen, denn so haben Sie keine Zeit zum Nachdenken über das, was Sie gerade schreiben – und damit auch keine Zeit für beurteilende und zensierende Gedanken.

Schreibdenken Sie kurz

Ich rate meist zu zeitbegrenztem Schreiben in kurzen und häufigen Zeiteinheiten. Denn ich erlebe es immer wieder, dass nicht begrenzte Schreibeinheiten dazu führen, dass Schreibende mit ihren Gedanken abschweifen, sich in Nebentätigkeiten verlieren und weniger fokussiert schreiben. Andere überfordern sich und verlieren dadurch die Lust, am nächsten Tag weiterzuschreiben. Wieder andere scheuen vor dem Schreiben zurück, wenn sie wissen, dass lange Schreibstunden vor ihnen liegen. Viele Schreibdenktechniken dauern nur drei bis fünf Minuten, wenige über zehn Minuten – ein Wecker hilft, die Zeit im Blick zu behalten.

Schreibdenken Sie täglich

Das tägliche Schreiben ist mehr als nur eine Taktik, um motiviert zu schreiben. Es ist eine Grundhaltung. Erst im täglichen Schreiben wird aus vereinzelten Gedankenblitzen und Ideensprüngen ein kontinuierlicher Gedankenfluss, der sich durch die tägliche Routine immer mehr zu einem breiten Strom erweitert. Das gelingt nicht, wenn Sie fünfmal im Jahr eine Schreibdenksession einlegen.

Schreibdenken Sie mit Freude und Neugier

Nutzen Sie die Schreibdenktechniken, die Ihnen am meisten Freude bereiten und bei denen Sie den Eindruck haben, dass Sie die besten Gedanken damit produzieren. Es gilt das Lustprinzip. Und: Bleiben Sie beim Schreiben neugierig auf das, was Sie gleich lesen werden, nachdem Sie es geschrieben haben.

Schreibdenken Sie mit Auswertung

Beim Schreibdenken besteht immer die Gefahr, in der entstandenen Gedanken- und Textfülle unterzugehen und den Überblick zu verlieren. Durch die Auswertung können Sie die wichtigsten Inhalte visuell hervorheben. So verankert sich die Kernaussage besser im Gedächtnis und ist später leichter wieder abrufbar – sowohl beim Durchlesen der schriftlichen Aufzeichnungen als auch in der Erinnerung.

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Kundenmeinung von Anja Linzer 12.12.2016 ★★★★★

Ich habe mir dieses Buch als Unterstützung im Rahmen meines Studiums der Sozialwissenschaften ausgesucht.

Inhaltlich geht die erfahrene Autorin Ulrike Scheuermann zunächst auf den theoretischen Aspekt des Schreibdenkens ein und zeigt auf, wie Schreibdenken in verschiedenen Kontexten hilfreich sein kann.
Von Anfang an werde ich als Leser persönlich angesprochen, was ich als positive Aufforderung empfinde, diese Methode kennen- und anwenden zu lernen.
Prägnante Zwischenüberschriften sorgen für Übersichtlichkeit und Struktur.

Sehr ausführlich wird auf den Schreibprozess eingegangen, den die Autorin in 7 Phasen unterteilt und mit vielen hilfreichen Tipps anreichert.

Es folgt eine interessante Aufstellung der verschiedenen Schreibtypen, in der auch ich mich wiedergefunden habe. Auch hier gibt es für jeden Typ die passenden Tipps, schön übersichtlich in einem extra Kasten hervorgehoben.
Abgerundet wird das Kapitel durch Informationen zu Schreibzeiten und günstigen Schreibbedingungen.

Das folgende Kapitel stellt den eigentlichen Hauptteil des Buches dar, da hier die verschiedensten Methoden des Schreibdenkens präsentiert werden. Zu jeder Methode gibt es eine passende Übung, die nur wenige Minuten Zeit in Anspruch nimmt und die insgesamt sehr abwechslungsreich sind, Spaß machen und zu eigener Kreativität anregen.

Es schließt sich ein kürzeres Kapitel über Schreibdenken in der Lehre an, welches für mich allerdings (noch) nicht relevant ist, gefolgt von Schreibdenken im Arbeitsalltag. Hier finden sich wieder verschiedene Übungen, die den Arbeitsalltag durch schriftliche Reflexion erleichtern können.

Zusammenfassend ein kleines aber sehr feines Arbeitswerkzeug, welches man nicht unbedingt von vorne bis hinten durchlesen und -arbeiten muss, sondern sich die Stellen und Übungen herausnimmt, die im Moment relevant sind oder einen spontan ansprechen.

Eine lohnende Anschaffung, nicht nur für Studierende!

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