Manche Studierende, die schon einmal eine Präsentation vor einem Publikum halten oder eine mündliche Prüfung als Teil einer Vorlesung ablegen mussten, haben die folgende Situation vielleicht bereits erlebt: Die Gedanken beschäftigen sich vor oder sogar während des Vortrags bzw. der mündlichen Prüfung unter anderem auch mit der Angst, dass einem plötzlich der vorher einstudierte Text bzw. das erlernte Wissen nicht mehr einfällt und man gar nicht mehr weiterweiß. Die Angst davor, dass man eine Denkblockade, die auch Blackout genannt wird, erleiden könnte, die ein Fortfahren mit der Präsentation oder der mündlichen Prüfung behindern oder gar unmöglich machen könnte. Eine solche Art der Prüfungsangst ist für viele Studierende ein relevantes Thema, wobei sie bei jeder betroffenen Person individuell und unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. In ihrem utb-Band Prüfungsangst bewältigen widmet sich Irene Warnecke unter anderem dem besagten Thema Blackout und wie man damit umgehen kann.

Dipl. Psych. Irene Warnecke ist Psychologische Psychotherapeutin in eigener Praxis und Mitarbeiterin der Psychotherapeutischen Beratungsstelle der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Darüber hinaus ist sie als Dozentin tätig, leitet Workshops und forscht zu der differenziellen Wirksamkeit psychotherapeutischer Interventionen. Ihre Erfahrungen mit der Behandlung verschiedener Angstproblematiken nutzt sie aktuell zur Erforschung der Wirksamkeit verschiedener therapeutischer Methoden bei Prüfungsangst.

Auszug aus Kapitel 5.5: Das Blackout bewältigen

[…] Das so genannte Blackout [stellt] eigentlich keine außergewöhnliche Situation dar, sondern entsteht vielmehr aufgrund starker Erregung in Situationen, die eine große Anforderung an unsere Konzentrationsfähigkeit darstellen. So erleben die meisten Menschen, die im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit anderer stehen, wie zum Beispiel Redner oder Schauspieler, derartige Blackouts immer wieder im Laufe ihrer Karriere. Auch regelmäßige Übung schützt nicht davor, dass man mal „den Faden verliert“. Geübte wissen im Vergleich zu Ungeübten allerdings, wie sie diesen Schreckmoment gut überwinden können. Entscheidend ist, wie du die Aufregung in diesem Moment meisterst. Das kannst du erlernen und trainieren. Maßgeblich ist auch hierbei, wie du das Blackout bewertest. Wenn du entscheidest, aufzugeben, kann das deine Verzweiflung vergrößern. Dies hält das Blackout weiterhin aufrecht. Wenn du dich entscheidest, weiterzumachen, die Situation zu überwinden, ist der wichtigste Schritt zur Bewältigung des Blackouts eigentlich schon getan. Du lenkst dadurch deine Gedanken in eine andere Richtung. Allerdings gelingt dies nur, wenn du die große Angst in dem Moment des Blackouts auch aushältst. […] Bewerte das Blackout als etwas Normales, nicht als Katastrophe, dann geht es zumeist schnell wieder weiter, auch in deinem Kopf.

Tipps zum Umgang mit dem Blackout

  • Akzeptiere das Blackout. Er wird vorüber gehen.
  • Atme tief durch. Akzeptiere die Angst.
  • Korrigiere deine Bewertung: „Das kann jedem passieren. Die nächste Frage kann ich bestimmt beantworten.“
  • Sprich weiter über Dinge, die relevant sein könnten und dir in diesem Moment einfallen.
  • Bitte den Prüfer die Frage noch einmal zu wiederholen oder eine neue Frage zu stellen.

Mit solchen kleinen Tricks und Kniffen kannst du deinem Gehirn den Raum geben, den es braucht, um das Blackout zu überwinden. Zudem gibst du deinem Körper die Zeit, die er benötigt, um aus dem Alarmzustand herauszukommen. Durch die Korrektur deiner Bewertung verhinderst du, dass die Angst und damit deine Erregung weiter angeheizt wird. Wenn dir diese neue Art der Bewältigung einmal gelungen ist, wird es dir zukünftig immer leichter fallen. Das Blackout ist dann keine Katastrophe mehr. So sollte es auch sein. Eine unangenehme Situation kann es natürlich dennoch sein und bleiben. Das ist „den Faden zu verlieren“ für jeden. Du kannst dir bewusst machen, dass dein Prüfer so einen Hänger mit Sicherheit auch schon mal erlebt hat.

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