Reden an sich ist keine Kunst. Die Kunst besteht vielmehr darin, selbstsicher vor größeren Gruppen zu reden und die Studierenden zum Zuhören und zur aktiven Teilnahme zu motivieren. Wie vor Zuhörern geredet wird, hat entscheidenden Einfluss auf eine Redesituation, vor allem auf die verbalen und nonverbalen Signale, die ausgesendet werden.

Weitere Tipps zum Präsentieren und Sprechen vor Publikum gibt Diplom-Pädagogin Heike Kröpke in ihrem Buch „Tutoren erfolgreich im Einsatz„. Kröpke ist Leiterin des Tutorenprogramms am Hochschulzentrum für Lehre und Lernen der Hochschule Niederrhein.

Heike Kröpke „Tutoren erfolgreich im Einsatz“ S. 106

Körperhaltung

Die Körperhaltung ist offen und dem Publikum zugewandt, was ein Ausdruck von Selbstbewusstsein ist. Die Füße stehen schulterbreit nebeneinander und die Fersen im 45°-Winkel. Das Gewicht verteilt sich gleichmäßig auf beide Beine. Diese Grundposition gilt als sicherer Stand und vermittelt Festigkeit. Während des Redens am besten frei stehen, denn ein Tisch bzw. (Redner)pult bildet eher eine Barriere. Der [Redner] (Tutor) sollte zwar nicht während des gesamten [Vortrags] (Tutoriums) so wie in Stein gemeißelt stehen bleiben, aber auch keinen Wandertag einlegen, was eine immens schlechte Wirkung auf die Zuhörer hat. Ein möglichst großer Abstand zum Publikum gewährleistet alle Teilnehmer im Blick zu halten, selbst diejenigen, die in einem toten Winkel sitzen. Eine Aufrechte und ruhige Körperhaltung gilt sowohl für das Vortragen im Stehen als auch im Sitzen (beispielsweise in kleinen Gruppen).

Blickkontakt

Ein guter Blickkontakt schafft eine Verbindung zwischen Redner Und Zuhörer. Er geht weder zur Decke noch zum Boden oder nur auf  das Manuskript, sondern er ist zur Gruppe gerichtet. Blickkontakt halten, heißt nicht jemanden anzustarren. Die Blicke vielmehr in der Gruppe schweifen lassen, sodass sich jeder mal angesprochen fühlt. Blickkontakt dokumentiert Selbstsicherheit und hilft, das Geschehen in der Gruppe zu beobachten und zu erkennen, ob das Gesagte von der Zuhörerschaft angenommen  wird.

Gestik oder die Frage: Wohin mit den Händen?

Mit Gestik sind alle Ausdrucksbewegungen der Arme, Hände und Finger gemeint. Sie kommt normalerweise ein Bruchteil vor der eigentlichen Aussage und unterstreicht das gesprochene Wort. Gestik sollte spontan, von innen heraus kommen und natürlich wirken. Sie muss von daher nicht überlegt werden und bedarf keiner Regieanweisung auf dem Stichwortzettel. Die Gebärden müssen wohldosiert zur Persönlichkeit und zum Thema passen. Introvertierte Menschen gestikulieren weniger als Extrovertierte; auch lassen sich kulturelle Unterschiede feststellen, so gestikulieren Südländer oftmals intensiver und ausladender.

Werden die Hände in der Hosentasche oder auf dem Rücken versteckt, so stören sie zwar nicht, können aber auch nicht unterstützend eingesetzt werden. Auch das Festhalten an einem Stift oder einem Ring wirkt eher verkrampft oder führt zu Bewegungen, die nicht unbedingt zu dem Gesagten passen und den Zuhörer nur verunsichern.

Für die Wirkung der Gestik ist entscheidend, in welcher Höhe sich die Arme befinden. Alle Gesten, die sich unterhalb der Gürtellinie abspielen, werden als negative Aussagen gewertet; Gesten in Höhe der Gürtellinie werden als neutral und oberhalb als positiv gewertet. So ist der neutrale Bereich die optimale Ausgangsposition für Arme und Hände, da von hier aus wirkungsvolle Gesten am besten umgesetzt werden können. Die Hände sollten in dieser Höhe locker, unverkrampft und offen ineinander gelegt werden. Bleiben die Arme im negativen Bereich hängen, so ist der Weg, Gesagtes im positiven Bereich mit Gesten zu untermalen, im wahrsten Sinne zu weit, sodass Gestik erst gar nicht eingesetzt wird.

Heike Kröpke „Tutoren erfolgreich im Einsatz“ S. 106

Mimik

Mit Mimik sind alle Ausdrucksbewegungen des Gesichts gemeint. Es heißt: Ein Lächeln zu Beginn einer Rede wirkt positiv auf die Zuhörer. Die Mimik sollte zwar in der Regel freundlich sein, muss aber auch dem Redeanlass entsprechend sein. Berichtet [ein] (der) Tutor von schlechten Klausurergebnissen, sollte das nicht mit einem lachenden Gesicht geschehen, da die Tutanden dann irritiert sind und nicht so wirklich wissen, wie diese Aussage zu verstehen ist.

Kleidung, äussere Erscheinung

Das äussere Erscheinungsbild sollte gepflegt, dem eigenen Typ und dem Anlass entsprechend sein. Die Kleidung sollte während des Vortragens nicht zum Problem werden. Es gilt hier den Aspekt des Wohlfühlens zu beachten. Fühlt man sich beispielsweise in einem engen Rock oder mit einer Krawatte nicht wohl, ist man während der Vortragssituation immer mehr mit seiner Kleidung beschäftigt, somit abgelenkt und kann sich schlechter auf die Vermittlung der Inhalte konzentrieren.

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Kundenmeinung von Marko Heyner

Geeigneter Einstieg in die Tutorienarbeit

Wie der Titel verspricht, ist das Buch für Tutorinnen und Tutoren sowie deren Trainer gleichermaßen geeignet, um sich einen kompakten Überblick über die Qualifizierung für und Durchführung von Tutorien zu verschaffen. Die dargestellten Methoden sind praxiserprobt und über die Jahre gereift, die Sprache verständlich und durch die über zwanzig Abbildungen und häufig eingesetzten Aufzählungen anschaulich. Das verlagsseitige Textlayout erscheint mir nicht in jedem Fall gelungen, die Gesamtgröße jedoch gut, um sie als Tutor*in im Tutorium mitzuführen.

Das Handbuch beginnt mit allgemeinen Überlegungen zu Funktion und Begriff von Tutorien sowie Qualifizierungserfordernissen. Anschließend wird der Planungszyklus eines Tutoriums dargestellt, um in der zweiten Hälfte des Buches zahlreiche Methoden vorzustellen und praktische Hinweise zu geben, wie sie jedes gute Trainer*innenhandbuch benötigt. Der leider immer noch recht knappen Literaturlage entsprechend gibt es am Ende einige Hinweise auf Vertiefungsmöglichkeiten. Für eine noch bessere Nutzbarkeit durch die Tutorinnen und Tutoren könnten in einer weiterentwickelten Auflage Unterlagen (z.B. Ablaufplan, Methoden, Arbeitsblatt Seite 81 etc.) online, und damit direkt abruf- und nutzbar, zur Verfügung gestellt werden.

Heike Kröpke verfügt über viele Jahre Erfahrung in der Tutorienarbeit an der Hochschule Niederrhein und gibt ihre Kenntnisse in Workshops und Tagungen an andere Hochschulen weiter. Darüber hinaus organisiert sie das Netzwerk Tutorienarbeit an Hochschulen (www.tutorienarbeit.de) und leistet hier wertvolle Austausch-, Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit.

Insgesamt ein hervorragend geeignetes Handbuch für den praktischen Einstieg in die Tutorienarbeit, das leider mit wenigen Bezügen zu theoretischen Grundlagen und empirischen Erkenntnissen zum hochschuldidaktischen Handlungsfeld Tutorien auskommen muss.

 

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