Eine effektive Begleitung und eine angemessene, sinnvolle Bewertung von schriftlichen Abschlussarbeiten erhoffen Studierende von Ihren Betreuungspersonen. Lesen Sie hierzu unser utb-Experteninterview mit Eva Buff Keller und Stefan Jörissen.

1. Existieren Regeln für die Betreuung von Master- oder anderen Examensarbeiten?
Nicht generell und für jede Betreuung, aber zu einem guten Curriculum respektive einem auf den Prinzipien des Alignments aufgebauten Studiengang gehört neben Anleitungen für die Studierenden zum Erstellen von Abschlussarbeiten auch ein Leitfaden für die betreuenden Dozierenden. In diesem sollten z. B. Vorgaben seitens des Studiengangs und wichtige Elemente einer guten Betreuung auf fachlicher, methodischer, organisatorischer und kommunikativer/sozialer Ebene beschrieben werden.

2. Was macht eine gute Betreuung aus?
Voraussetzung für eine gute Betreuung ist eine motivierte Betreuungsperson, die sich für die Förderung von Studierenden interessiert und selbst über hohe kommunikative, soziale, methodische, fachliche und überfachliche Kompetenzen – etwa im Bereich des wissenschaftlichen Schreibens – verfügt. In einer guten Betreuung erhalten Studierende regelmäßig konstruktive, wertschätzende Rückmeldungen zum Stand ihrer Arbeit und zu ihrem Arbeitsverhalten. Eine kompetente Betreuungsperson kann einschätzen, was realistische Anforderungen an eine Abschlussarbeit auf der entsprechenden Stufe (Bachelor, Master, PhD) sind. Aber auch die Rahmenbedingungen müssen stimmen: Als Grundlage dient ein Curriculum, in welchem die für eine Abschlussarbeit notwendigen Kompetenzen kontinuierlich aufgebaut wurden. Die Bewertungskriterien und die Beurteilung der Arbeiten sollten transparent und nachvollziehbar sein. Seitens der Studierenden braucht es Motivation, Leistungsbereitschaft und ausreichende Vorkenntnisse und Kompetenzen. In unserer Publikation werden sämtliche Faktoren einer guten Betreuung in einem prototypischen Ablauf skizziert und beleuchtet.

3. Welche Betreuung können Studierende einfordern und wann müssen sie selbstständig arbeiten?
Das hängt davon ab, welche Kompetenzen gemäß Curriculum durch die Abschlussarbeit überprüft bzw. gefördert werden sollen. Stellt die Arbeit eher eine Prüfungsarbeit dar, bei der vorgängige Korrekturen der Betreuenden nicht erwünscht sind, oder sieht das Curriculum formative und konstruktive Rückmeldungen/Korrekturen von den Betreuenden als wichtiges Element der Begleitung von Abschlussarbeiten an? Die Leitfäden für Abschlussarbeiten oder zumindest die individuellen Vorgaben der Betreuenden sollten solche Fragen beantworten. Die Studierenden sollten sich im Erstgespräch mit der Betreuungsperson informieren, mit welchen Betreuungsleistungen sie rechnen können – dies hängt indirekt ja auch von der Vergütung und den Anreizen ab, die Betreuende für ihre Arbeit erhalten. Wichtig ist eine gute Betreuung vor allem zu Beginn der Arbeit – bis die Fragestellung klar ist, ein Exposé formuliert ist etc. Danach kann gearbeitet werden. Studierende sollten sich aber auch außerhalb der offiziellen Betreuung Hilfestellungen organisieren, etwa durch gegenseitiges Peer-Feedback zu Vorgehen, Methoden oder Textentwürfen. Generell wirkt es sich auf die Arbeit – und ihre Benotung – positiv aus, wenn Studierende von Beginn weg selbständig arbeiten und die Meinung der Betreuungsperson möglichst gezielt einfordern.

4. Wie wichtig sind überfachliche Kompetenzen für das Studium und welche
Kompetenzfelder sind dabei aus Sicht der Betreuungsperson besonders zu berücksichtigen?
Hier ist zwischen den überfachlichen Kompetenzen der Betreuenden und jenen der Studierenden zu unterscheiden. Seitens der betreuenden Personen sind sicher hohe fachliche Kompetenzen im jeweiligen Feld entscheidend, daneben auch Projektmanagementkompetenzen, verschiedene Methodenkompetenzen und wissenschaftliche Textkompetenzen in Deutsch und Englisch, denen wir in unserer Darstellung ein eigenes Kapitel widmen. Seitens der Studierenden sind daneben auch Kompetenzen im Bereich des Argumentierens, Präsentierens, des Zeit- und Selbstmanagements etc. wichtig.
Für die Arbeitsmarktfähigkeit – die Employability, von der wir mit Bologna vermehrt sprechen – sind solche überfachliche Kompetenzen essentiell. Sie sollten als Abschlusskompetenzen des Studiums formuliert sein und im Curriculum aufeinander aufbauend in sogenannten Kompetenzlinien vermittelt, erworben und trainiert werden. Während einer Abschlussarbeit kann die Betreuungsperson diese Kompetenzen durch formative Feedbacks weiter stärken. Ein weiteres Kapitel unserer Publikation widmet sich speziell dieser Thematik und gibt auch Programmverantwortlichen Hinweise für die systematische Vermittlung von überfachlichen Kompetenzen im Studium.

5. Als Betreuungsperson befindet man sich in der schwierigen Situation, eine Arbeit begleiten und anschließend bewerten zu müssen. Was muss bei diesem Rollenkonflikt beachtet werden?
Zunächst muss man sich dieses Konflikts überhaupt bewusst sein – dann kann man sich überlegen, wie man damit umgeht. Eine Möglichkeit stellen z. B. Zwischenbewertungen oder Standortbestimmungen dar. Wir empfehlen den Betreuenden auch, ein Dossier zu führen, in dem sie nach jeder Sitzung festhalten, wie diese verlaufen ist und wie sie den Stand der Arbeit einschätzen. Viele Betreuungspersonen korrigieren gewisse Zeit vor Abgabetermin – z. B. einen Monat – bewusst nichts mehr und bewerten danach die Arbeit. An der Bewertung sollte unseres Erachtens neben der Betreuungsperson immer eine zweite Person beteiligt sein. Wo dies nicht so vorgesehen ist, empfehlen wir den Betreuenden, zumindest bei ungenügenden oder exzellenten Arbeiten einen Kollegen oder eine Kollegin um eine Einschätzung zu bitten.
Zudem ist es sinnvoll, sich schon zu Beginn der Betreuung Gedanken zu Beurteilungsprozess und Betreuungsbeziehung zu machen und diese beim Erstgespräch auch zu thematisieren. Vor allem junge Betreuerinnen und Betreuer neigen verständlicherweise dazu, Kumpel oder Freundin der Studierenden sein zu wollen. Dies führt in der Bewertungsphase oder bei Schwierigkeiten während der Betreuung oft zu Konflikten. Hier stehen auch die Vorgesetzten von jungen Betreuenden in der Pflicht: Eine erfahrene Professorin beispielsweise sollte ihre Assistenten bei den ersten Betreuungsaufgaben begleiten und sie bei Schwierigkeiten oder bei der Bewertung beraten.

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